Menu

Fragen

Suche zurücksetzen
Kompostanalyse

19.07.2004 | Kompostieranleitungen

Hallo, ich muss für die Schule eine Facharbeit zum Thema Kompost anfertigen. dafür muss ich den Kompost auch "untersuchen". was könnte man da alles untersuchen? Z.B. an den versch. Substanzen. Und wie soll ich das machen? Wäre für eine kurze Antwort sehr dankbar.


Guten Tag Sarah
Es gibt, je nach Fragestellung, ganz verschiedene Ebenen, auf denen man Komposte untersuchen kann. Nährstoffanalysen (Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium, Calcium) erfordern einen hohen apparativen Aufwand und spezielle Kenntnisse und kommen für eine Facharbeit in der Schule kaum in Frage.
Wenn Sie Komposte näher kennen lernen möchten, empfehle ich Ihnen die halbquantitativen Schnell-Tests von Merck (Merck-o-quant).
Wichtig scheint mir , den Kompost auch hinsichtlich seiner Tauglichkeit als Pflanzennahrung und Bodenverbesserer zu untersuchen.
Da die Anleitung zu diesen Tests den hier zur Verfügung stehenden Rahmen sprengen würde, schicke ich Ihnen diese mit separatem Mail zu.
Mit freundlichem Gruss Hans Balmer. Kompostberater

Geruchsbelästigung

15.06.2004 | Kompostieranleitungen

Dear Hans Balmer, 
I write to you in English because my German is really bad. I have seen in the archive that I am not the only one. We live in a house, which is split into three 'slices'. Each owner has a tiny front garden ranging from 6 to 10 square meters in size, our being the smallest. Last summer the neighbour in the middle has placed a compost basket a few centimetres away from our bench. As it smelled horrible and our kitchen was invaded from insects, we requested him to remove it. He now moved it to the other side of his 'garden', actually less than 3 meters away from where it stood before. Unnecessary to say that we can still smell it. The neighbours on the other side have even given up sitting in their front garden because of it. We do not know what to do because our neighbour believe it to be his right to have a compost, but we are convinced that he is not doing it correctly. He throws large fruits, whole walnuts, large pieces of vegetables and worst of all, the litter of their pet mouse into it. As this would not be enough, the compost is uncovered and stands in full sunshine. Also he never bothers to stir it up. The thing is full of flies and smells and looks miserable. Can this be tolerated? We do not believe such an attitude to be ecologic at all and need urgently your advice. We hope that you can help us, and thank you in advance. 
best regards Giulia Maria Beretta


Dear Mrs. Beretta

I try to answer in your own language, though I'm not very familiar writing in English. I hope you'll understand what I have to say. Well, your neighbour is not really running a compost; he is simply piling up organic "waste" and this is always connected with putrefaction. Putrefaction is a completely wrong process, it doesn't transform organic matter into humus. The resulting product is harmful to soil and plants. Composting always needs some work and understanding and follows these rules or steps: 1) Breaking down all material that goes to the compost into small pieces 2) Intensely mixing the fresh, soft and juicy pieces with shredded wood to produce a porous mass. This is essential because the microorganisms that produce humus need oxigen; otherwise there is nothing but putrefaction. 3) Maintain an adequate humiditiy in the rotting mass; the microorganisms can only do their job in a humid (not wet!) environment. This step has to be learned by observing the progress of transformation of the organic material. 4) The compost must be covered by an appropriate lid to protect it from light and precipitation (the humidity of the rotting mass has to controlled by man not by the wether; the latter is most unreliable).
By doing so a compost never (!) produces bad smells or a mass of unwanted insects.
Depending on where you live there are laws that forbids producing bad smells in the neighbourhood of houses but best would be, to convince your neighbour to do things right. Tell him that you have consulted an experienced expert. I would very much like to send you a leaflet that explain and clarify all around successful composting. Unfortunately it's only in German and cannot be sent by E-Mail.
I know very well that it is not easy to give real help from the desk but I hope that these few lines may help anyway.

With kind regards 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Wo kann man Heisskomposter kaufen?

13.06.2004 | Zubehör

Wo kann man Heisskomposter heute kaufen? (Ich habe einige vor über 10 Jahren bei der Firma Thoma+Schawalder AG in 8703 Erlenbach bezogen).


Sehr geehrter Herr Gysel

Ich nehme an, es handelt sich um den ROLATE-Komposter, der seinerzeit tatsächlich von der von Ihnen erwähnten Firma promoviert und verkauft wurde.
Das ist nun einer der seltenen Fälle, wo ich nicht weiter helfen kann. Die Firma Thoma+Schawalder existiert offenbar nicht mehr. Jedenfalls ist sie im aktuellen Telefonverzeichnis nicht aufgeführt. Die Suche nach Aderessen in der übrigen Schweiz verläuft ohne Ergebnis. Die Suche im Internet unter dem Stichwort Rolate führt ausschliesslich nach Skandinavien (soviel ich weiss, war Rolate ein finnisches Produkt). Da ich keine der skandinavischen Sprachen verstehe, bin ich selber ziemlich hilflos.
Abgesehen davon, können Sie genauso erfolgreich kompostieren, wenn Sie einen beliebigen Komposter benützen. Die Wärmeentwicklung ist ja in erster Linie von der Menge des zu kompostierenden, gut zerkleinerten Rohmaterials und der Strukturierung des Rotteguts (mischen mit Häckselgut) abhängig. Wenn sie sich also an die Regeln "zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken" halten und stets genügend "Futter" für den Kompost vorhanden ist, kommt es fast mit Sicherheit zu einer Heissrotte (55°C und darüber).

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Ananas und Melonen

07.06.2004 | kompostierbar - oder nicht

Wenn ich Ananas und Melonen kompostieren will wie hoch darf der Prozentanteil sein?


Sehr geehrte Frau oder Sehr geehrter Herr Rohrer

Ananas und Melonen sind ausserordentlich saftiges Material, falls es sich um die ganzen Früchte handelt. Diese müssten Sie auf jeden Fall in kleine Stücke zerhacken; das geht am besten mit einem Schaufelspaten mit scharf geschliffener Kante. Mischen Sie dann die Stücke mit etwa gleichviel relativ trockenem Häckselgut. So können Sie beliebige Mengen Ananas und Melonen Kompostieren. Achten Sie besonders darauf, dass der grüne Schopf der Ananas (stachlige Blätter) sehr gut zerkleinert (verletzt) ist, sonst findet nur sehr mangelhafte bis keine Verrottung statt oder der Schopf schlägt u.U. sogar Wurzeln.
Selbstverständlich lässt sich auch Rasen und Gras kompostieren. Langes Gras zerkleinert man am besten (auf etwa Handlänge) mit dem Gertel auf einem Spaltblock. Mischen Sie Rasen und zerkleinertes Gras mit etwa gleichviel Häckselgut. Feuchten sie die Mischung sorgfältig an, damit sie so feucht ist, wie ein ausgedrückter Schwamm. Wenn vorhanden geben Sie währen des Mischens pro 100 l Mischung ca. 2 Handvoll Urgesteinsmehl hinzu. Die Mischung schütteln Sie dann locker in Ihren Komposter oder wenn die Menge zu gross ist auf einen länglichen Walm (Komposthaufen, -miete). Sorgen Sie in der Folge für immer ausreichende Feuchtigkeit im Rottekörper, damit der Prozess (Abbau, Umbau, Aufbau) optimal abläuft. Selbstverständlich könnten Sie auch Gras (Rasen) mit den von Ihnen erwähnten Früchten und einer ausreichenden Menge Häckselgut zusammen kompostieren.
Falls es sich bei Ananas und Melone nur um die nicht essbaren Bestandteile (Schalen) handelt, müssen Sie auch diese zerkleinern (wie für Fruchtsalat) und zusammen mit anderem zerkleinertem Grüngut und Häckselgut kompostieren. Das Häckselgut brauchen Sie so oder so, um jegliche Fäulnis dieser stark verderblichen Reststoffe zu verhindern. Wenn Ihnen die Kompostierung gelingt, sollten Sie nach etwa einer Woche von Ihren Früchten, bzw. deren Schalen praktisch nichts mehr identifizieren können.
Nun wünsche ich Ihnen viel Erfolg beim Kompostieren.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung micropower[at]tiscalinet.ch

Gefährliche Schimmelpilzsporen

31.05.2004 | Lebewesen beim Kompost

Sehr geehrter Herr Balmer, ich habe einmal gehört, dass bestimmte Schimmelpilzsporen nicht eingeatmet werden dürfen, da sie sehr gesundheitsschädlich sein können, man könnte unter umständen sogar daran sterben. in meinem kleinen Komposteimer gedeiht nämlich der Schimmelpilz und es richt nicht gerade gut und gesund, wenn ich ihn öffne. wissen sie, in wie weit ich meine Gesundheit gefährde beim halten eines kleinen Kompostkübels.


Sehr geehrte Frau oder Sehr geehrter Herr Petsche

Es ist richtig, dass gewisse Schimmelpilzsporen dem Menschen gefährlich werden können, vor allem dann, wenn er als Folge eines geschwächten Immunsystems allerlei Allergien entwickelt.
Beim ordentlichen Kompostieren entwickeln sich in der Regel keine, die Gesundheit gefährdenden Schimmelpilze. Wenn Sie schreiben, dass es in Ihrem kleinen Komposteimer übel riecht und dass darin Schimmelpilze gedeihen, weiss ich nun nicht genau, ob es sich dabei um den Sammelbehälter für Ihre kompostierbaren Reststoffe oder um einen "Miniaturkomposter" handelt, d.h. ein kleiner Kübel, in dem Sie versuchen, Kompost herzustellen.
Falls es sich um den Sammeleimer handelt, können Sie ein Verschimmeln und Verfaulen des Inhalts zuverlässig vermeiden, indem Sie den Eimer häufig zu Kompost tragen. Es gibt ja kein Gesetz, das vorschreibt, der Eimer müsse voll sein bevor man ihn zum Kompost trägt...
Lassen Sie also die wertvollen Bestandteile, die ja im Grunde genommen Nahrungsbestandteile sind, nicht erst verderben, sondern füttern Sie Ihren Kompost mit möglichst frischem Material. Es ist für Sie und für den Kompost angenehmer und gesünder.
Falls mit diesen Ausführungen Ihre Fragen nur unzureichend beantwortet sind, bitte ich Sie freundlich, sich direkt an meine unten stehende E-Mail-Adresse zu wenden.
Vielleicht zu Ihrer Beruhigung: ich kenne inzwischen Tausende von Menschen einschliesslich mit selbst, die seit Jahren ordentlich kompostieren und keinerlei gesundheitliche Schäden davongetragen haben.

Mit freundlichem Gruss
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Rasen kompostieren

19.05.2004 | Kompostieranleitungen

Wenn ich eine grössere Menge Rasenschnitt auf den Kompost schütte, entsteht meist eine so grosse Hitze, dass alles grau wird. Schadet dies der Kompostqualität, bzw. muss ich den Rasenschnitt beispielsweise mit Laub mischen, damit die Temperatur weniger ansteigt?


Sehr geehrter Herr Landau 
Grössere Mengen Rasenschnitt sollte man nicht einfach auf den Kompost schütten, die Gefahr, dass er verdirbt ist zu gross. Durch das Schneiden des jungen, saftigen Grases entstehen an dem Material milliardenfache Verletzungen, wo Mikroorganismen augenblicklich ideale Lebens- und Entwicklungsbedingungen vorfinden. Sie vermehren sich fast explosionsartig und beim Abbau der leicht "verdaulichen" Kohlenhydrate und Proteine entsteht viel Wärme und weil das Gras ja keine strukturgebenden Eigenschaften hat, fällt die Masse in sich zusammen (was ich als "Spinateffekt" bezeichne; wenn Sie Spinat kochen, ist die Pfanne zunächst voll; am Schluss haben Sie einen strukturlosen Brei). Je nach Wassergehalt des Rasenschnitts können nun zwei Dinge geschehen. a) Bei nassem (saftigem) Rasenschnitt beginnt nach wenigen Stunden wegen Sauerstoffmangel ein Fäulnisprozess; das Resultat ist schliesslich eine blaugrüne bis schwärzliche, stinkende Masse. Von Humusbildung ist keine Rede. In diesem Zustand ist der Rasenschnitt verdorben und nur noch mit grossem Aufwand zu retten. b) Bei relativ trockenem Rasenschnitt tritt das Phänomen auf, das Sie beschreiben: es wird alles grau, weil nicht mehr genügend Feuchtigkeit im Material ist. Durch die Erwärmung verdunstet viel Wasser und ausserdem verbrauchen auch die Mikroben bei Ihrer Vermehrung viel davon.Die Vergrauung kommt dadurch zustande, dass vor allem Mikropilze, die auch bei relativ trockenem Material wachsen und sich vermehren können, die Oberhand gewinnen. Zum Teil tragen auch die zellulloseabbauenden Aktinomyceten dazu bei, die bei zu trockenem Material als grauer Überzug sichtbar werden (Aktinomyceten sind unbewegliche, koloniebildende Bakterien, die beim Abbau der Zellulose eine sehr wichtige Rolle spielen). In diesem Zustand müssten Sie den Rasenschnitt eigentlich befeuchten, was aber sofort zu Sauerstoffmangel führt, weil die Luft in den Hohlräumen durch das Wasser verdrängt wird; siehe Punkt a).
Soviel also zu den "Mechanismen", die biologisch bedingt sind. Rasenschnitt können Sie problemlos kompostieren, wenn Sie ihn vor dem Einfüllen in den Komposter im Verhältnis von ca. 2:1 mit Strukturmaterial (Häckselgut von Baum und Strauch) gründlich durchmischen (2 Teile Rasenschnitt, 1 Teil Häckselgut). Wenn Sie in der Folge dafür sorgen, dass das Gemisch immer genügend feucht ist (nicht nass!) indem Sie es z.B. im Abstand von 2-3 Tagen kurz überbrausen und mit der Kompostgabel wieder mischen, wird der Rasenschnitt nach kurzer Zeit vollständig verrottet sein. Zurück bleibt das Häckselgut, das sich in dieser kurzen Zeit kaum verändert hat; Sie können damit nochmals die gleiche Portion Rasenschnitt kompostieren, brauchen also beim nächsten Schnitt kein neues Häckselgut. Laub ist übrigens kein guter Ersatz für Häckselgut, weil es bei der richtigen Feuchtigkeit der Rottemasse aneinander klebt und so den Sauerstoffzutritt verwehrt; schlechte oder gar keine Verrottung ist das Ergebnis.
Sie können den Rasenschnitt auch liegen lassen (öfter mähen) wo er auf der Fläche verrottet oder ihn als Mulch (Bodenbedeckung) bei Rabatten, Beeten und unter Hecken verwenden. Schliesslich können Sie den Rasenschnitt auch trocknen (Heu machen); das Heu können Sie nach und nach Ihrer regulären Kompostierung beimischen, ohne dass Probleme auftreten. Alle vier Arten mit dem Rasenschnitt umzugehen (liegen lassen, trocknen, mulchen, kompostieren) haben sich in der Praxis bestens bewährt. Wenn Sie sie kombinieren, haben Sie in Zukunft kaum mehr irgendwelche Probleme mit Ihrem Rasenschnitt.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Wie lange soll der Kompost im Komposter bleiben?

11.05.2004 | Kompostieranleitungen

Hallo Herr Balmer 
"zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken" ist das Motto jedes guten Kompostes. Das habe ich von Ihnen gelernt! Trotzdem neige ich eher dazu in meinem "HeissKomposter" Küchenabfälle zu deponieren. Trotzdem ergibt es brauchbaren Kompost. Aber nun meine Frage: Wie lange kann ich diesen Kompost im Komposter belassen? Seit Herbst 1999 habe ich noch keinen Kompost entnommen.


Sehr geehrter Herr Moser

Wie können Sie wissen, ob Sie brauchbaren Kompost produzieren, wenn Sie ihn noch nie gewonnen und geprüft haben? Falls Sie mit Ihrer Methode dennoch brauchbaren Kompost erhalten haben sollten, haben Sie einfach Glück gehabt.
Es liegt in der Natur der Sache begründet, das alle von Lebewesen produzierten Stoffe (auch die Lebewesen selbst) in der Gesamtheit organische Substanz genannt, von Mikroorganismen zerlegt, zu einfacheren Grundsubstanzen abgebaut, umgewandelt und schliesslich ins Erdreich integriert oder in die Atmosphäre zurückgegeben werden (z.B. Wasser, Kohlendioxid, gewisse Stickstoffverbindungen oder Stickstoff selbst, Methan).
Es gibt grundsätzlich zwei Wege, wie Mikroben die organische Substanz angreifen und zerlegen können: Verrottung und Fäulnis. Nach allem was wir heute wissen, ist der erste Weg auf der Landfläche des Planeten der am weitesten verbreitete. Auf diesem Weg wird durch sauerstoffbedürftige Mikroben Humus geschaffen, der für die Lebendigkeit und Fruchtbarkeit des Bodens und die Gesundheit der Pflanzen von ausschlaggebender Bedeutung ist. Auf dem anderen, unter Abwesenheit von Sauerstoff, entsteht ein schlammartiges, meist übel riechendes Fäulnisprodukt, in dem sich normale Landpflanzen nicht entwickeln können. Alle Fachleute sind sich einig, dass Fäulnisprodukte im Boden - im Wurzelraum - von grossem Übel sind. Aus dem Schlamm kann sich unter günstigen Umständen (Belüftung mit Sauerstoff) im Laufe der Zeit ein humusähnliches Produkt bilden, in dem sich aber, wie zahlreiche Untersuchungen belegen, gewisse Produkte der Fäulnis hartnäckig erhalten haben und dementsprechend auch Probleme verursachen (können).
Ich habe in all den Jahren, seit ich mich tag täglich mit dieser Materie beschäftige, nie erleben können, dass beim blossen Aufhäufen von Küchenabfällen ein brauchbarer, guter, krümeliger Kompost entstanden wäre. Deshalb sind mir ja auch die Regeln "zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken" zugefallen. Beim blossen Deponieren von Küchenabfällen, in welchem Gefäss oder Behälter auch immer, ist Fäulnis vorprogrammiert. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass und weshalb es bei Ihnen anders sein sollte (aber man hat ja tatsächlich nie ausgelernt).
Kompost, d.h. das Endprodukt der Verrottung, ist keine tote Substanz. Neben unzähligen Mikroben besiedeln ihn auch zahlreiche andere Bodenorganismen, die in ihrer Gesamtheit zusammen mit den Pflanzennährstoffen den Wert des Komposts ausmachen. Kompost ist dann am wertvollsten für Boden und Pflanzen, wenn die Umwandlungsprozesse abgeschlossen sind, was unter günstigen Bedingungen bereits nach 14-16 Wochen der Fall ist. Sehr oft ist nach dieser relativ kurzen Zeit aber nicht genügend Endprodukt entstanden, dass sich eine Ernte schon lohnen würde. Dann macht man einfach weiter und erntet den Kompost spätestens nach einem Jahr, d.h. diejenige Portion, die wirklich verrottet ist.
Ich empfehle Ihnen, das Produkt im unteren Teil Ihres "Heisskomposters" (ist er jemals heiss gewesen?) zu gewinnen und damit einen Kressetest zu machen. Es würde zu weit führen, diesen Test hier auch noch im Einzelnen zu beschreiben. Ich schicke Ihnen mit einer separaten Mail eine Anleitung .
Vielleicht lassen Sie mich gelegentlich wissen, wie der Test ausgefallen ist. Kann sein, dass ich dann meine Ansichten und Überzeugungen revidieren muss...

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Baumtropfen

06.05.2004 | kompostierbar - oder nicht

Haben Sie ein Photo vom Baumtropfen?


Sehr geehrte Frau Tendon

Die Pflanze mit dem Namen Baumtropf heisst auch Giersch oder Geissfuss; ihr botanischer Name ist Aegopodium podagraria; Fam. Doldengewächse. Sie gehört zu den essbaren Wildpflanzen (Geschmack ähnlich Petersilie), vor allem was die zarten Blätter im Frühling betrifft. Sie liebt grundwasserfeuchte, lehmige, stickstoffhaltige Böden und ist sehr häufig. Früher wurde der Geissfuss als schmerzlinderndes Mittel gegen Rheumatismus und Gicht ("Podagra", Name) zerquetscht auf die schmerzenden Körperpartien aufgelegt.
Falls Ihre Frage im Zusammenhang mit der Kompostierung dieser oft als überaus lästiges, wucherndes "Unkraut" im Garten wahrgenommenen Pflanze steht, ist das (grüne) Kraut selber absolut kein Problem. Etwas schwieriger sind die "Wurzeln", die eigentlich unterirdische Ausläufer sind und der Vermehrung der Pflanze, auch ohne Samen, dienen. Falls Sie die Pflanze zwecks Eindämmung ausgraben wollen oder müssen, lassen Sie die unterirdischen Teile verdorren. Klein gehackt können Sie dann ebenfalls problemlos kompostiert werden. Um keine Samen zu verschleppen, schneiden Sie alle blütentragenden Stengel vor der Blüte ab; kleingehackt ebenfalls kompostieren. Das Kraut kann auch eingedämmt werden, wenn man vom zeitigen Frühjahr an, alle Blätter immer wieder, z.B. mit der Grasschere ebenerdig abschneidet und an Ort und Stelle liegen lässt oder als Gemüse- oder Würzkraut in der Küche verwendet.
Ich schicke Ihnen mit einer separaten Mail 2 Bilder von Aegopodium podagraria (Baumtropf)

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Engerlinge

30.04.2004 | Kompostieranleitungen

Guten Tag Herr Balmer, wir haben in unserem Kompost Nashorn- oder Maikäfer-Engerlinge gefunden. Laut einer Beschreibung und einem Foto handelt es sich eher um Nashorn-Engerlinge. Unsere Frage ist: Sind die Engerlinge für die Pflanzen im Garten schädlich, fressen sie die Wurzeln der Pflanzen, falls sie aus Versehen mit der Komposterde in den Garten gelangen?


Sehr geehrte Frau Stöckli

Bei den Engerlingen im Kompost handelt es sich fast hundertprozentig um die Larven entweder des Rosen- und weniger häufig des Nashornkäfers. Beide Engerlinge ernähren sich prinzipiell von morschem, moderndem Holz, das in einem gut gepflegten Kompost mehr oder weniger reichlich vorhanden ist (Häcksel-, Schreddergut); ihr Verdauungssystem ist nicht dafür eingerichtet, Wurzeln zu verzehren. Maikäferlarven (-engerlinge) andererseits können sich in einem Kompost niemals entwickeln, es sei denn der Kompost sei von lebenden Wurzeln durchzogen; aber dann würde es sich ja auch nicht mehr um einen Kompost, sondern um ein senkrecht stehendes Gartenbeet handeln.
Ich schicke Ihnen mit separatem Mail ein Infoblatt zum Rosenkäfer-Engerling: wenn Sie das studiert haben, sollten eigentlich alle Ihre Fragen beantwortet sein.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Laub kompostieren

29.04.2004 | Kompostieranleitungen

Ich habe ein Grundstück übernommen, auf dem ich sehr viel Laub von Laubbäumen und Nadeln von Nadelbäumen vorgefunden habe. Womit müsste ich Laub und Nadeln mischen und im welchem Verhältnis, damit sich Humus ergibt? Vielen Dank für Ihre Hilfe.


Sehr geehrte Frau Habert

Das Problem beim Laub ist, dass es nur in feuchtem Zustand verrottet. Nasses Laub klebt aber zu Patzen und Klumpen zusammen, an die der Sauerstoff nur schwerlich herankommt. Die Zellulose abbauenden Mikroben sind aber dringend auf Sauerstoff angewiesen. Ähnlich verhält es sich mit Nadeln. Ausserdem hat Laub (abgestorbene Blätter) und haben Nadeln ein sehr weites C/N-Verhältnis, so dass wir beim Kompostieren eine stickstoffhaltige Komponente (Hornmehl, Rasenschnitt, frisches zerhacktes Gartengrün, etwas tierischen Mist, u.U. Kompostbeschleuniger) hinzufügen müssen.
Bewährt hat sich folgendes Vorgehen: Mischen Sie zu je etwa gleichen Teilen Laub, Nadeln und Strukturmaterial (Häcksel-, bzw. Schreddergut von Baum und Strauch) - und falls vorhanden Mist- sonst ca. 100 Gramm Hornmehl pro 100 Liter Rottegemisch intensiv mit einer Kompost-Gabel (vier dünne Zinken, langer Stiel), indem Sie das Material durch die Gabel schütteln. Falls vorhanden, ist ein Zuschlag von Urgesteinsmehl (2 Handvoll Pro 100 Liter Rottegemisch) zu empfehlen. Wenn Sie Kompostbeschleuniger einsetzen, steht auf der Packung, wie Sie ihn verwenden müssen. Sollte Rasenschnitt oder frisches, zerhacktes Gartengrün, sowie kompostierbare Reststoffe aus Küche und Haushalt vorhanden sein, können Sie dieses Material ebenfalls in das Rottegemisch einarbeiten. Überbrausen Sie das Gemisch während Sie daran arbeiten ab und zu, damit eine gut durchfeuchtete (nicht triefende) Rottemasse entsteht. Alle Bestandteile sollten von einer dünnen Wasserhaut umgeben sein, was Sie daran erkennen, dass das Material einen matten Glanz aufweist. Wenn Sie ein einigermassen homogenes Gemisch aller Bestandteile erzeugt haben, setzen Sie die Rottemasse auf eine trapezförmige Kompostmiete auf; ca. 1-1,5 m breit, 0.8-1m hoch, Länge beliebig und decken diese am Schluss zu. Verwenden Sie wenn immer möglich keine Plastikplane, sondern ein atmungsaktives Vlies; notfalls tun es auch alte Jutesäcke oder dünne Bretter. Die Abdeckung muss den Kompost vor Licht und Niederschlag schützen.
Setzen Sie dann Ihren Kompost alle 2-3 Wochen um, indem Sie das ganze Material wiederum durch die Gabel schütteln, "Verbackenes" mit flachen Gabelschlägen zerkrümeln und neu aufsetzen. Sollte der Rottekörper oder Teile davon zu trocken geworden sein (grau-weiss verpilzte Stellen) überbrausen das Material vorsichtig während des Umsetzens. Vorsicht, nicht vernässen! Das Umsetzen ist wichtig, damit das Material neu durchmischt wird (Rand- und Solenzone mit Kernzone) und die Feuchte optimal gehalten werden kann.
Auf diese Weise sollte es Ihnen gelingen, in 14-16 Monaten einen sehr gut verrotteten, krümeligen Humuskompost zu erhalten, den Sie überall im Garten und auch für Topfpflanzen und in Pflanzkästen einsetzen können.
Auf Verlangen schicke ich Ihnen gerne unser bewährtes Merkblatt "Kompostieren", wo Sie alles kurz und bündig und reich illustriert erläutert finden.
Nun wünsch ich Ihnen gutes Gelingen und ein schönes, erfolgreiches Gartenjahr.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Kompostieren in den Tropen

29.04.2004 | Kompostieranleitungen

Lieber Herr Balmer
Wir wohnen auf den Bahamas und würden gerne zu kompostieren anfangen. Muss man beim tropischen Klima etwas besonderes beachten?
Vielen Dank.


Sehr geehrte Frau Colli

Die Prinzipien des Kompostierens "zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken" sind auf dem ganzen Globus dieselben, müssen aber entsprechend den lokalen Gegebenheiten angepasst werden. Dabei ist das Zerkleinern und Mischen unabhängig von der geografisch-klimatischen Situation immer eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Gelingen der Kompostierung. Die Humifizierung der organischen Substanz ist direkt von der regen Tätigkeit von Mikroorganismen abhängig. Mikroben haben keine Zähne; sie leben auf der Oberfläche der zu kompostierenden Bestandteile wo sie ihre zersetzenden Verdauungsenzyme ausscheiden. Das funktioniert aber nur in einer feuchten Umgebung, d.h. die Bestandteile müssen von einer hauchdünnen Wasserhaut umgeben sein. Je nachdem ist es in den Tropen wahrscheinlich entweder zu feucht oder zu trocken, deshalb ist der Feuchtigkeit der Rottemasse besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Der Rottekörper ist stets so feucht zu halten wie ein ausgedrückter Schwamm. Ist der Rottekörper zu nass, sind die feinen und mittleren Poren mit Wasser "verstopft", es herrscht Luft-(Sauerstoff)mangel, die Verrottung stagniert und im schlimmsten Fall kommt es zu Fäulnis (Gestank), was unter allen Umständen zu vermeiden ist (die Fäulnis erzeugenden Bakterien bilden keinen Humus!). Bei zu trockener Rottemasse stagniert jegliche mikrobielle Aktivität und dementsprechend auch die Verrottung. Decken sie den Rottekörper (Kompost) immer zu, um ihn vor Licht und Niederschlägen zu schützen. Das Feuchthalten gehört zu den Pflegemassnahmen der aufmerksamen Kompostiererin. Ein Wort noch zum Zerkleinern. Es dient zweierlei: erstens werden damit Angriffsflächen für die Mikroben geschaffen, weil diese nur an den verletzten Stellen (offenen Wunden) angreifen können und zweitens lassen sich gut zerkleinerte Bestandteile besser miteinander vermischen als grobe. Sorgen Sie durch Beimischen von langsam verrottendenden, zerkleinerten holzigen Bestandteilen immer für eine lockere, hochporöse Struktur in der obersten Zone der Kompostierung. Wenn Sie stets im Auge behalten, dass Sie beim Kompostieren ein für die Rotteorganismen förderliches Milieu erzeugen müssen, sollte Ihnen auch auf den Bahamas die Bereitung eines wohltuenden, qualitativ hochstehenden Humuskomposts gelingen. Vielleicht sogar noch müheloser als hierzulande, weil sie dort ja konstant hohe Umgebungstemperaturen haben, was alle Lebensprozesse beschleunigt.
Sollten Sie weitere Fragen haben, können Sie diese direkt an mich mit unten stehender Mail-Adresse richten.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung micropower[at]tiscalinet.ch

Küchenabfälle

24.04.2004 | Kompostieranleitungen

Ich habe über den Winter nur die Küchenabfälle kompostiert. Sie sind jetzt sehr nass geworden. Was soll ich tun. Ich hab jetzt schon im Frühjahr einen neuen Kompost angelegt. Kann man den alten und neuen noch vermischen, oder soll ich grobes Material einfach in den alten tun, oder gleich aufmachen und separat verrotten lassen.


Sehr geehrter Herr Reuss

Ich vermute, dass Sie Ihre Küchen"abfälle" nicht kompostiert, sondern nur in Ihrem Komposter deponiert haben und dass Sie überdies Ihren Kompost wahrscheinlich nicht zugedeckt haben. Kompostieren richtig verstanden heisst: "zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken". Wird eine dieser Regeln nicht eingehalten, geht fast immer etwas schief.
Ich empfehle Ihnen, die vernässte und sehr wahrscheinlich zum Teil verfaulte "Wintermasse" mit mindestens ebensoviel Häcksel- oder Schreddergut von Baum und Strauch intensiv zu vermischen (gut belüften, so dass keine Klumpen mehr vorhanden sind) und diese Rottemasse dann separat verrotten zu lassen. Setzen Sie diesen Separatkompost in den nächsten Monaten noch zwei-, dreimal um (durch die Gabel schütteln) und schützen Sie ihn unbedingt vor Licht und Vernässung. Versuchen Sie überdies Ihren neu angefangenen Kompost nach den eingangs erwähnten Regeln zu pflegen. Kompostieren ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Es erfordert doch einiges an Arbeit und aufmerksamer Zuwendung. Auf Verlangen schicke ich Ihnen gerne unser bewährtes Merkblatt "Kompostieren", wo sie alles kurz und bündig und reich illustriert erläutert finden.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Wie legt man einen Komposthaufen an?

21.04.2004 | Kompostieranleitungen

Ich würde gerne wissen wie man einen Komposthaufen anlegt damit die Abfälle möglichst schnell abgebaut werden.Was für eine Rolle spielen dabei Bakterien?


Sehr geehrte Frau Heurich

Die Bakterien, genauer die Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Aktinomyceten) spielen bei der Umwandlung der von Lebewesen geschaffenen Substanz, auch organische Substanz genannt, eine zentral wichtige Rolle. Sie leisten die Hauptarbeit beim Abbau der organischen Substanz sowie am Umbau und Aufbau der Abbauprodukte zu Humus. Wenn Sie möglichst schnell zu wertvollem Kompost kommen wollen, wobei Sie dem Prozess schon drei bis vier Monate Zeit lassen sollten, müssen Sie also für ein Milieu im Rottekörper sorgen, das für die in Frage kommenden aeroben (sauerstoffzehrenden) Mikroorganismen förderlich ist. Dabei halten Sie sich am besten an die Regeln: "zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken". Wenn Sei sich Ihrem Kompost unter Beachtung dieser Regeln aufmerksam zuwenden (den Kompost also nicht als Deponie, Abfallhaufen oder Entsorgungsstelle missbrauchen), kann ich Ihnen garantieren, dass Sie in kurzer Zeit mit erträglichem Arbeitsaufwand einen ausgezeichneten universell verwendbaren Kompost bereiten können. Gerne schicke ich Ihnen auf Verlangen unser bewährtes Merkblatt "Kompostieren" wo Sie alles kurz und bündig und reich illustriert erläutert finden. Bestellen Sie es einfach unter Angabe Ihrer Anschrift direkt bei meiner unten angegebenen Mail-Adresse.
Mit freundlichem Gruss Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung micropower[at]tiscalinet.ch

Thermokomposter

21.04.2004 | Kompostieranleitungen

Sehr geehrte Damen und Herren Via K-Tipp, d.h. Service[at]bioterra.ch erhielt ich Ihre Adresse und hätte folgende Frage gerne beantwortet: Ich kann meinem Kompostbehälter "Thermokomposter Handy 350" (seit letztem Frühling in Betrieb) am unteren Fenster immer noch keine Erde entnehmen!! Wie und was kompostiert werden darf oder nicht, weiss ich aus Erfahrung - meine Eltern haben seit über 40 Jahren einen grossen Gemüsegarten und stets kompostiert, jedoch offen, d.h. mit Schwellenbrettern ein Viereck gebildet und den Abfall darauf verteilt. Zwischendurch, d.h. sicher 3x insgesamt, haben wir Schnellkomposter darunter gemischt und mit Wasser besprängt. Wenn's regnet lassen wir sogar den Deckel offen, damit Feuchtigkeit eintreten kann. Müssen wir noch länger auf kompostierte Erde warten oder woran liegt es, dass wir keine kompostierte Erde haben? Es würde mich sehr freuen, hilfreiche Tipps zu erhalten. Besten Dank und freundliche Grüsse - Fam. Kuske


Sehr geehrte Frau Kuske

Ganz gleich, welchen Behälter auch immer Sie zum Kompostieren benützen, die Prinzipien sind immer die gleichen: "zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken". Wenn Sie die kompostierbaren Reststoffe einfach in den Behälter mit dem wohlklingenden Namen "Thermokomposter" schütten und von der Annahme ausgehen, der Komposter mache dann die Sache schon recht, dann sind Sie, wie viele andere, einem Irrtum erlegen. Die Verwandlung der organischen Substanz (Lebewesen und die von ihnen produzierten Stoffe) zu Humus ist zu fast 100% auf die Tätigkeit der humusbildenden Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Aktinomyceten) zurückzuführen. Humusbildende Mikroorganismen brauchen zum Gedeihen und zum Erledigen ihrer Arbeit Sauerstoff. Andere Mikroben, die sich auch ohne Sauerstoff an der organischen Substanz zu schaffen machen zersetzen diese Substanz bloss unter Bildung von Fäulnisprodukten (Methan, Schwefelwasserstoff, Sulfid, Nitrit, aggressive Säuren und Leichengifte); diese Prozess ist in unserem Zusammenhang völlig unerwünscht, weil nichts brauchbares dabei herauskommt. Beim Kompostieren müssen wir jegliche Art Fäulnis verhindern, indem wir den "richtigen" Mikroben beste Lebens- und Entwicklungsbedingungen schaffen.
ZERKLEINERN: schaffen von Angriffsflächen für die Mikroben. Mikroben haben keine Zähne und können die Substanz nur von der Oberfläche her durch Ausscheiden von Verdauungsfermenten auflösen und abbauen und zwar nur dort, wo die Bestandteile Verletzungen (offene Wunden) haben. Ausserdem lassen sich kleine Teile besser mit dem Strukturmaterial zu einer mehr oder weniger homogenen Rottemasse vermischen.
MISCHEN: in der obersten, der Abbauzone des Komposts muss immer genügend Sauerstoff vorhanden sein. Um jegliches Verklumpen des Materials zu verhindern (Fäulnis!) müssen die gut zerkleinerten, frischen Bestandteile mit etwa gleichviel Strukturmaterial (Häckselgut von Baum und Strauch) laufend durchmischt werden. Die holzigen Bestandteile bilden eine poröses Gerüst (Durchlüftung), in dem die weichen, wasserhaltigen, nährstoffreichen Bestandteile rasch abgebaut werden, ohne Probleme zu verursachen. Hat man nur weiches Material aus Garten und Haushalt, ist ein Kompostieren praktisch unmöglich. Verwenden zum Mischen eine Kompost- oder Mistgabel (4 dünne Zinken, langer Stiel) und mischen Sie immer nur in der obersten, der Abbauzone (ca. 30 cm tief); hier ist die biologische Aktivität und der Sauerstoffbedarf am grössten.
FEUCHT HALTEN: Mikroben können sich nur in einem feuchten Milieu entwickeln. Ist die Rottemasse zu trocken, hört jede mikrobielle Aktivität auf: die Rotte stagniert. Ist die Rottemasse aber zu nass (triefend), sind die feinen und mittleren Poren mit Wasser "verstopft" und die erwünschten Mikroben stellen mangels Sauerstoff ihre Tätigkeit ebenfalls ein; die anaeroben Fäulniserreger übernehmen die Zersetzung des (weichen) Materials, mit allen üblen Folgen. Der Rottekörper (Kompost) ist vom ersten bis zum letzten Moment immer so feucht wie ein ausgedrückter Schwamm. Das umgewandelte Material ist dunkel rot-schwarzbraun und verschmiert beim Zusammenpressen in der Faust nicht.
IMMER ZUDECKEN: Kompostorganismen sind Bodenorganismen und daher lichtscheu und lichtempfindlich. Der Kompost muss also mit einem Deckel vor Licht geschützt sein. Der Deckel muss ausserdem den Kompost vor Niederschlägen schützen. Die Kontrolle und Regulierung der Feuchte im Kompost ist nicht Sache des Wetters sondern des kompostierenden Menschen. Das Wetter "weiss" definitiv nicht, wieviel Wasser mein Kompost braucht.
Wenn Sie diese Regeln beachten, ich sage gerne "beherzigen", können Sie auch in einem Thermokomposter erfolgreich kompostieren. Die Umwandlung der organischen Substanz zu wurzelverträglichem Humuskompost ist bei guter Kompostpflege nach 12-16 Wochen abgeschlossen. Verzichten Sie nach Möglichkeit drauf, den fertigen Kompost unten bei der Klappe herauszukratzen. Es ist wesentlich besser, wenn Sie den Komposter zerlegen, vom Rotteblock etwa den obersten Drittel mit der Gabel abtragen und beiseite legen (dient als Startsubstanz für die nächste Kompost"runde") und den Rest bis zum Boden ausräumen; wenn nötig mit einem 12 mm Wurfsieb durchsieben. Nach getaner Arbeit setzen Sie den Komposter wieder zusammen und beschicken ihn mit dem beiseite gelegten Material, das als bester Kompoststarter betrachtet werden kann.
Vermeiden Sie das Einschleppen von zuviel Erde (Wurzelballen von Jät etc.), denn diese bremst die Verrottung u.U. sehr.
Mit diesen Tips habe ich schon zahlreichen BesitzerInnen von Themokompostern zu erfolgreichem, beglückendem Kompostieren verholfen. Probieren geht auch hier über studieren. Auf Verlangen schicke ich Ihnen gerne unser bewährtes Merkblatt Kompostieren, wo Sie alles kurz und bündig und reich illustriert erläutert finden (auch die anscheinend leidige Sache mit Rasenschnitt und Laub). Ich kann aber dieses Merkblatt nicht elektronisch verschicken.
Nun wünsche ich Ihnen ein schönes Gartenjahr und GUT KOMPOST.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Moos und Gras in den Kompost?

18.04.2004 | kompostierbar - oder nicht

Soll man Moos, abgestorbenes Grass, etc., das man beim Vertikutieren aus dem Rasen herausholt in Lagen dem eigenem Komposthaufen zugeben oder ist es besser der Müll- oder Grün-Abfuhr mitzugeben? MfG


Sehr geehrter Herr Schlueter

Selbstverständlich können sie Moos und (abgestorbene) Grasreste kompostieren, nur sollten Sie dieses Material keinesfalls als Lagen oder Schichten in Ihren Komposthaufen einbauen; es würde so schwerlich verrotten. Mischen Sie das Vertikutiermaterial ausserhalb des Komposts mit etwa gleichviel Häckselgut; benützen Sie dazu die Kompost-oder Mistgabel, dann gelingt die Arbeit am besten. Sollten Sie selber zuwenig Häckselgut haben, fragen Sie bei der Gemeinde Oberwil an; Sie können sicher welches vom Werkhof oder der gemeindeeigenen Kompostierung beziehen. Falls Sie zufällig noch frischen Rasenschnitt hätten, können Sie auch diesen als Komponente Ihrer Mischung zufügen.
Feuchten Sie während des Mischens das Rottegut vorsichtig an (Giesskanne mit Brause), so dass Sie am Schluss eine feuchte aber nicht triefende Masse haben. Diese Masse füllen Sie nun locker in Ihren Komposter ein. Die Rottemasse wird sich nun in den nächsten Tagen erwärmen; das verdunstete und durch die sich stark vermehrenden Mikroben konsumierte Wasser müssen Sie dann ergänzen indem Sie die Oberfläche kurz überbrausen (Giesskanne mit Brause) und dann die Feuchtigkeit durch Mischen mit der Gabel verteilen. Wiederholen Sie den Vorgang etwa wöchentlich, bis der Prozess zur Ruhe gekommen ist (Abschluss der Wärmephase). Genauso geht man übrigens auch vor, wenn man Rasenschnitt zu kompostieren hat: nicht in den Komposter entsorgen, sondern mit Häckselgut vormischen, anfeuchten und dann locke in den Komposter einfüllen. Ich hoffe, Ihnen mit diesen Tipps geholfen zu haben.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Nitritgehalt

10.04.2004 | Düngung

Wie kann ich meinen Nitritgehalt im Gartenbeet erhöhen, da nach einer Probe mir die Chemie anzeigt, das ich viel zu tief liege.


Sehr geehrter Herr Philipp

Seien Sie froh, dass der Nitritgehalt im Gartenbeet viel zu tief liegt - eigentlich sollten Sie überhaupt kein Nitrit finden! Nitrit ist im Boden (und Kompost) völlig unerwünscht, weil es im Prinzip ein Fäulnisprodukt ist (anaerober Abbau von Eiweisssubstanzen).
Aber ich vermute, dass hier ein Missverständnis vorliegt: Sie wollten nicht Nitrit (NO2-), sondern Nitrat (NO3-)finden, bzw. nachweisen. Der mikrobiellen Abbau der Proteine (Eiweisse) der organischen Substanz verläuft über Ammonium > Nitrit > Nitrat, wobei normalerweise (bei etwa neutralem pH-Wert und guter Sauerstoffversorgung) das Nitrit sehr kurzlebig ist und sofort zu Nitrat oxidiert wird. Nitrat ist eine wichtige Stickstoffverbindung, die die Pflanzen im Wurzelraum aufnehmen um daraus ihr eigenes Körpereiweiss und andere lebenswichtige stickstoffhaltige Moleküle aufzubauen, d.h. Nitrat ist also für die Pflanzen lebensnotwendig. In einem Boden mit guter Humusversorgung kann die Pflanze weitgehend selbst bestimmen, wie viel Nitrat aus der organischen Substanz durch die Bodenmikroben gebildet werden soll, indem sie über das Wurzelsystem Botenstoffe ausscheidet, die die mikrobiellen Aktivität steuern können. Gewisse Kulturpflanzen, z.B. die Starkzehrer, benötigen während der Wachstumsperiode mehr Nitrat als die organische Substanz ("Humus") hergibt und müssen deshalb zusätzlich mit Mineraldüngern oder besser mit organischen Stickstoffdüngern versorgt werden. Mineraldünger haben den Nachteil, dass dem Boden direkt Nitratsalze zugeführt werden, die oft nur zum Teil von den Pflanzen aufgenommen, zum anderen Teil aber in tiefere Bodenschichten, im ungünstigsten Fall bis ins Grundwasser ausgewaschen werden. Die Dynamik des Stickstoffs in der Biosphäre (der lebendigen Natur) ist sehr kompliziert, weil sie mit zahlreichen, stets wechselnden Bedingungen zusammenhängt.
Wenn Ihr Gartenboden mit Stickstoff (Nitrat) unterversorgt sein sollte, dann ist es am besten, wenn Sie konsequent Humuswirtschaft betreiben. Diese beginnt mit dem Herstellen von qualitativ hochwertigem Kompost. Im weiteren gehört dazu auch die schonende Bodenbearbeitung (nicht umgraben, nur lockern), die Fruchtfolge und die Mischkultur sowie die dauernde Bodenbedeckung bzw. -bewurzelung. Wenn Sie in der Übergangsphase trotzdem düngen müssen, sollte dies mit organischen Düngemitteln und Pflanzenjauchen geschehen. Seien Sie aber zurückhaltend mit der Dosierung: weniger ist oft mehr. Auch mit organischen Düngern (inkl. Kompost) kann man Fehler durch Überdosierung machen. Lesen Sie wenn immer möglich Literatur zum biologischen Gartenbau. Vor allem: wappnen Sie sich mit Geduld; Erfolge stellen sich nicht über Nacht, sondern erst bei konsequentem Handeln ein.
Ich hoffe, Ihnen mit diesen, notgedrungen kurzen, Hinweisen einwenig weiter geholfen zu haben und wünsche Ihnen ein schönes und erfolgreiches Gartenjahr.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Würmer und andere Insekten?

18.03.2004 | Kompost-Anwendung

Ich besitze eine Wurmkiste. Eigentlich ist es eher ein sehr großer Tontopf. Ich hatte mich für diesen entschieden, weil er besser in die Küche passte und auch sehr atmungsaktiv ist.
Regenwürmer waren auch schnell gekauft sowie eine große Portion Walderde besorgt. Anfangs lief das ganze etwas schleppend. Nach einem Jahr habe ich eine neuen versuch gestartet und habe mir neue Würmer besorgt und von da an schien (die letzten 3 Wochen) es auch gut zu beginnen. Doch jetzt habe ich verstärkt andere Kleinstlebewesen festgestellt. Kleine weiße in Gruppen versammelte runde (wohl auch Insekten) von der Grösse 0,5 mm x 0,5 mm. Ich weiß das im Kompost mehrere Arten leben und nicht nur die Würmer die Pflanzenreste etc umsetzen aber da ich die Wurmkiste in meiner Küche stehen habe möchte ich auch keine Fliegen oder sonst was Plage dort haben...
Ich wäre daher für eine Antwort oder ein Link mit genaueren Angaben zu den Mitlebewesen sehr dankbar. Kann bei Bedarf auch ein Digi-Foto schicken.
Vielen Dank!


Sehr geehrter Herr Ohlenforst

Mit der Walderde haben Sie zwangsläufig allerlei Bodenorganismen und Streuzersetzer in Ihren Wurmkomposter "eingeschleppt". Diese sind, wie Sie richtig sagen, alle an der Humusbildung direkt oder indirekt beteiligt. Bei den Kleinlebewesen, die Ihnen nun aufgefallen sind, könnte es sich um Springschwänze (Collembola), sogen. Blindspringer handeln. Diese sind weiss, ca. einen halben bis 1 mm gross und treten manchmal in jeglicher Art von Kompost massenweise auf. Ihr Körper ist allerdings nicht rund, kugelig, sondern walzenförmig-länglich. Was auch noch in Frage käme wären Bodenmilben, aber die sind eigentlich nicht weiss, sondern eher erdfarben oder grau bis beige. Weder von den einen noch den anderen gehen irgendwelche Gefahren aus, da sie sich nur bodenähnlicher Umgebung wohlfühlen. Trotzdem kommt es gelegentlich, gerade bei Milben vor, dass sie bei Massenvermehrung den Kompost verlassen und plötzlich überall sichtbar werden, aber das ist, wenn momentan auch eine etwas lästige, doch eine vorübergehende Erscheinung. Was bei einem Komposter in der Wohnung eher problematisch ist, ist die gelegentlich zu beobachtende Massenvermehrung der Trauermücke, 3 - 4 mm grosse schwärzliche Insekten mit schillernden Flügeln. Die Trauermücke legt ihre bis zu 300 Eier an Stellen ab, an denen sich organische Substanzen zersetzen. Die Entwicklung vom Ei über das Larvenstadium bis zur fertigen Trauermücke beträgt nur 3 Wochen. Im Fachhandel sind sogen. Gelbfallen (gegen die Mücken) aber auch spezielle Fadenwürmer (Nematoden) gegen diese Lästlinge erhältlich. Die Mücken selber richten zwar keinerlei Schaden an, aber ihre Larven können beim Massenauftreten durch Wurzelfrass in Blumentöpfen und Pflanzkästen erhebliche Probleme verursachen.

Ein weiteres Problem, mit dem in der warmen Jahreszeit zu rechnen ist, sind die Frucht- oder Essigfliegen (Drosophila), deren Larven sich auf der Oberfläche von Frucht- und Gemüseresten durch abweiden der Heferasen ernähren. Hier ist es wichtig, diese Bestandteile in möglichst kleine Stücke zu schneiden, damit ihr Charakter durch den Angriff der Mikroorganismen rasch verändert und für die Fliegen unattraktiv wird. Es ist überhaupt wichtig zu wissen, dass die Würmer, mit denen Sie ja hauptsächlich arbeiten wollen, in Ermangelung von Zähnen und Kiefern nichts essen oder kauen sondern nur weiterverarbeiten können, was die Mikroben für sie vorbereitet haben. Sie züchten also in Ihrem Komposter nicht in erster Linie Würmer, sondern Mikroben; die Würmer sind dann Nutzniesser von deren zersetzenden Tätigkeit. Da auch die Mikroben keine Zähne haben, müssen Sie die Reststoffe der Nahrungszubereitung ("Küchenabfälle") in möglichst kleine Stücke schneiden, um eine grosse Angriffsfläche für diese Kleinstlebewesen zu schaffen.
Mit der Schilderung der oben erwähnten "Schreckenszenarien" möchte ich Ihnen auf keinen Fall Ihre gute Idee der "Wurmkiste" in der Küche vergraulen. Man muss sich einfach bewusst sein, dass jegliche Art von Kompost ein komplexer Lebensraum ist (sein muss!) und das Halten von Kompostwürmern und nichts als diesen eine Illusion ist.
Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sei mir, wie angekündigt, ein Foto von Ihren weissen, kugeligen "Dingern" schicken; vielleicht kann ich sie dann identifizieren. Bitte Antwort direkt an meine unten stehende Mailadresse.

Mit freundlichem Gruss Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung micropower[at]tiscalinet.ch

Grauhuminsäuren

06.03.2004 | Kompost-Anwendung

Warum zerstören Grauhuminsäuren das Bodengefüge?


Sehr geehrte Frau Sammet

Dieser Gesichtspunkt, dass Grauhuminsäuren das Bodengefüge zerstören (sollen), ist mir völlig unbekannt. Im Gegenteil: die Grauhuminsäuren sind entscheidend an der Bildung der Ton-Humuskomplexe beteiligt, die nicht nur an der Krümelbildung (Bodengare) sondern auch an der Fruchtbarkeit des Bodens entscheidend beteiligt sind. Bei der Humifizierung der abgestorbenen organischen Substanz durch die zahlreichen, komplexen Prozesse der Bodenorganismen, treten die Grauhuminsäuren später auf als etwa die Braunhuminsäuren; diese werden in der agrarischen Bodenkunde als weniger wertvoll erachtet. Wo haben Sie die Information her, die Sie zu Ihrer Frage veranlasste?

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Zuviel Haushaltskompost

03.03.2004 | Kompost-Anwendung

Wir haben einen kleinen Garten (6*2m). Mir scheint, es gibt zuviel Kompostdünger aus der 4-köpfigen Famielie mit dem Rasen- u. Wiesenschnitt und den gehäckselten Sträucherästen. Soll ich den Rest einfach auf der Wiese und unter den Sträuchern verteilen?


Sehr geehrter Herr Hutter

Wenn Sie alles biogene Material, das als Reststoff auf Ihrem Grundstück anfällt kompostieren und den Kompost wieder auf dem bewachsenen Boden Ihres Grundstück verteilen dann schliessen Sie den natürlichen Kreislauf der organischen Substanz. Die Verhältnisse sind dann ähnlich wie im Wald, der als naturbelassenes Ökosystem mehr an organischer Substanz produziert als er selber verbraucht. Allerdings wächst der Waldboden in hundert Jahren nur etwa 5 cm in die Höhe, also in einem Menschenleben fast nicht wahrnehmbar.
Der Unterschied zum Wald besteht beim Kompostieren sämtlicher biogenen Reststoffe, also auch jener aus dem Haushalt, darin, dass dabei Stoffe von Aussen in den Garten importiert werden. Die kompostierbaren Reste aus Haushalt und Küche bestehen aber zu einem grossen Teil (bis zu 80%) aus Wasser, tragen demnach zur eigentlichen Kompostmenge nicht sehr viel bei. Sie machen also sicher keinen Fehler, wenn Sie den produzierten Kompost dem Boden laufen wieder zurück geben. Kompost enthält in der Regel 40-50% Wasser, die Trockensubstanz ist also 50-60%; davon sind 30-40% organische Substanz (OS), die durch die Stoffwechseltätigkeit der Bodenorganismen im Lauf der Zeit zum grössten Teil zu Kohlendioxid und Wasser abgebaut wird ("Mineralisierung" genannt). Ein viel kleinerer Anteil der OS wird zu wertvollem Dauerhumus; dieser und der mineralische Anteil des Komposts (60-70% der Trockensubstanz) tragen schliesslich dazu bei, dass Ihr Gartenboden an Höhe zunimmt, was aber Generationen dauert, bis dies wirklich wahrnehmbar wird.
Der langen Rede kurzer Sinn: Sie dürfen den, in Ihrem kleinen Ökosystem sorgfältig produzierten Kompost, getrost auch wieder in diesem Ökosystem, zum Wohl von Boden, Pflanzen und schliesslich des Menschen einsetzen.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Fäkalienkompost auf Miete

08.02.2004 | Kompostieranleitungen

Grüß Gott Herr Balmer
Unser Meditationszentrum hat sich entschieden, unsere Fäkalien selbst zu kompostieren. Wir, etwa 20 Personen, benutzen Trockentoiletten. In die Wannen kommt jedes Mal eine Handvoll Sägespäne. Der Kompost wird auf Miete gesetzt auf geneigter Betonplatte mit Abflussrinne und Auffangbecken. Die Miete ist überdacht und nach Norden offen. Der Kompost soll auf unsere Streu- Obstwiese. Mögliche Zuschläge: zerkleinertes Roggenstroh später Heu Laub (Buche, Eiche, Birke) Fichten-Rindenschrot (grob, frisch) Lehm, Gartenerde pfl. Küchenabfälle(etwas Gekochtes) Holzasche weitere Zuschläge aus dem Handel Harzer Dolomitkalk, Kompoststarter, Basaltsteinmehl. Welches Mischungsverhältnis ? Welche Art der Aufsetzung , bzw. Vermischung ? Im Winter Heißrotte, oder kommt sie erst im Frühjahr zustande ? Reicht eine Schicht Stroh mit Erde darüber als Unterlage aus ? Der Urin sickert durch, mehr Sägespäne in die Wannen ? Welche Verwendung gäbe es für den aufgefangenen Urin ? Fäkalienkompost auf Miete ist nicht sehr verbreitet, wer macht das außer uns noch ?
Herzlichen Dank Bax Schmidt


Sehr geehrter Herr Schmidt

Leider hatte ich bisher keine Gelegenheit, mich mit diesem Sektor des Recyclings auseinander zu setzen. Aber ich habe im Internet ein Buch gefunden, das wahrscheinlich viele Ihrer Fragen beantwortet.
Kompost-Toiletten (Claudia Lorenz-Ladener - Hrsg.), ökobuch Verlag, Staufen bei Freiburg,1993.ISBN: 3922964273.

Wege zur sinnvollen Fäkalienentsorgung: In diesem Buch wird beschrieben, welche Komposttoiletten-Systeme es gibt, was bei der Installation und im täglichen Gebrauch beachtet werden muss und welche baurechtlichen Anforderungen bestehen. Mit Anleitung zum Selbstbau Zwar schon etwas älteren Datums (1993), aber immer noch das einzige umfassende Werk zum Thema. Bestellen bei www.amzon.de

Fäkalkompostierung Sehr wichtig für eine gute Kompostierung ist das Strukturmaterial (Sägespäne...), das nach jedem Stuhlgang beigegeben wird. Es saugt überschüssige Feuchtigkeit auf und verhindert somit Fäulnis. Ausserdem lockert es die pappige Konsistenz des Kotes auf und sorgt für ein ausgeglichenes Kohlenstoff-Stickstoffverhältnis.

Nach der Vorkompostierung in der Toilette, muss das Material im Garten nachkompostiert werden. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten entweder eine "normale" Kaltkompostierung zusammen mit den Küchenabfällen (dann sollte der Kompost nicht auf Erdbeeren, Blattsalaten und in der Nähe von Kinderspielplätzen ausgebracht werden) oder eine hygienisierende Heisskompostierung.

Besuchen Sie ausserdem noch folgende Homepage, die sind Spezialisten. http://www.schattweid.ch

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Haben Sie eine Frage?

Jetzt Mitglied werden

Anmelden