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Kompost in Pakistan

03.02.2004 | Kompostieranleitungen

Sehr geehrter Herr Balmer
Ich bin in einem kleineren landwirtschaftlichen Projekt in Pakistan involviert. Gerne möchte ich die Dorfbewohner dort von der Herstellung ihres eigenen Kompostes überzeugen. Können Sie mir einige Tipps dazu geben? Besten Dank und freundliche Grüsse


Sehr geehrter Herr Steck

Falls Sie selber über keine Kompostiererfahrungen verfügen, empfehle ich Ihnen, zuerst ein, zwei gute Bücher darüber zu lesen. Z.B.:

- Dunst, G. (1991): Kompostierung. Anleitung für die Kompostierung am Bauernhof, im Garten und im kommunalen Bereich. Graz: Lepold Stocker Verlag, 1991. ISBN 3-7020-0612-5; oder

- Seitz, P. (1989): Das Kompostbuch für jedermann. Stuttgart: Franckh, 1989. ISBN 3-440-05979-0.
Diese Bücher können Sie sich sicher von Zuhause schicken lassen.
Es geht aber in jedem Fall, wo immer man auf diesem Planeten auch kompostiert, darum, nach den Grundregeln "zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken" vorzugehen. Da es sich in Ihrem Fall ja wohl um eine absolute low-tech-Lösung (keine Maschinen) handeln wird, werden Sie alles kompostierbare organische Material, dessen sie habhaft werden können (Ernterückstände, Tiermist, Reste aus Küche, Haushalt und Garten), sammeln, dann in Handarbeit zerkleinern, Hartes mit Weichem mischen, anfeuchten (so feucht wie ein ausgedrückter Schwamm) und daraus einen (oder mehrere) Komposthaufen (Mieten) bauen müssen. Diese Mieten sollten dann regelmässig umgesetzt werden (anfangs wöchentlich, später in grösseren Abständen), d.h. das Rottematerial mit der Gabel durchschütteln, neu mischen und wenn nötig nachfeuchten. Je nach den klimatischen Bedingungen müssen Sie vielleicht, um die Rottefeuchte aufrecht zu erhalten, sogar in Gruben kompostieren und bei starken Niederschlägen unbedingt dafür sorgen, dass der Kompost nicht vernässt.
Versuchen Sie zunächst eigene Erfahrungen im Kleinen zu sammeln. Wenn's gelungen ist, können Sie dann Ihr know-how weitergeben. Kompostieren ist zu 95% Praxis der Rest ist Theorie. Aber ohne diese Theorie gelingt eben auch die Praxis nur unvollkommen. Ihnen die ganze Theorie hier darlegen zu wollen, würde allerdings zu weit führen. Kompostieren heisst, die Natur nachahmen und die Umwandlungsprozesse nach den oben genannten Regeln optimieren.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie bald Erfolg haben werden mit diesem, wie ich meine, äusserst sinnvollen Projekt in Pakistan.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Welcher Kompostbehälter ist der Beste?

31.01.2004 | Kompostbehälter

Guten Tag Ich brauche Ihren Rat. Wir bekamen die Gelegenheit einen Garten zu kaufen. Nun grüble, studiere, lese ich, was für Kompostbehälter wirklich der Beste ist. Ich bin bis jetzt nicht gescheiter geworden. Die einten Raten für einen Thermokomposter die einten wieder auf Holz oder der Normale mit dem Gitter. Was würden Sie mir raten? Wir sind ein 2-Personenhaushalt mit einem 30m2 Garten. Wie gross sollte der mindestens sein? Ist ein Holzkomposter wirklich gut? Wie kann man einen selber basteln? Ich danke Ihnen jetzt schon für Ihre Antwort.


Sehr geehrte Frau Schön

Grundsätzlich gilt: auch der teuerste und/oder ausgeklügeltste Kompostbehälter ist nur ein Hilfsmittel, um Platz und allenfalls etwas Arbeit zu sparen. Kompostieren, also die Rotte betreuen, müssen in jedem Fall Sie, d.h., Sie können in jedem Behälter, selbst in einer selbstgebastelten Holzkiste guten Kompost herstellen.

Wenn die Ästhetik keine entscheidende Rolle spielt, ist das handelsübliche Kompostsilo aus Maschendraht eine praktische und billige Lösung. Verwenden Sie aber unbedingt auch die schwarzen, gelochten Einlagehüllen und bringen Sie diese so an, dass der untere Rand der Hülle den Boden nicht berührt. So können sie die Hülle später, beim Leeren des Silos, problemlos nach oben wegziehen. Zum Befestigen der Hülle nehmen Sie eine Kunststoffschnur, die Sie am oberen Silorand herumziehen und festzurren. Für Ihre Bedürfnisse (2-Personenhaushalt, 30 qm Garten) genügt ein Drahtsilo, auch wenn Sie sämtliche organischen Reststoffe aus Küche, Haushalt und Garten (incl. Rasenschnitt und Laub) kompostieren, ohne weiteres. Der einzige Nachteil ist, dass Sie für diesen Behälter einen wirklich praktischen Deckel im Handel nicht ohne weiteres erhalten. Sie brauchen aber unbedingt einen Licht- und Regenschutz für den Kompost. Meistens verkauft man Ihnen ein quadratisches Stück Stamoid-Blache mit Ösen in den Ecken und Federn oder Gummizügen zum Einhängen in die Maschen des Silos. Dies Blachen sind aus mehreren Gründen eher unpraktisch. Falls Sie sich für das Drahtsilo entscheiden, fragen Sie doch bitte nochmals bei mir an, ich schicke Ihnen dann ein paar Adressen.

Wenn Sie aus Gründen der Ästhetik einen zum Garten passenden Behälter anschaffen möchten (Holz oder Plastik ist nicht von entscheidender Bedeutung, höchstens hinsichtlich der Lebensdauer), sollte er auf keinen Fall mehr fassen als ca. einen Kubikmeter; Sie füllen ihn sonst nicht in vernünftiger Zeit (ca. 12 Monate). Der Typ "Thermokomposter" verspricht zwar eine Warm- bis Heisskompostierung, die sich aber nicht von allein, sondern nur mit der allgemein gültigen Methode "zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken" einstellt.
Verlassen Sie sich mehr auf Ihren Instinkt als auf die Werbung. Schaffen Sie sich etwas Praktisches und Solides an, das auch gut zu handhaben ist. Wenn Sie dann beim Kompostieren, das nicht so einfach ist, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag, nicht sofort Erfolg haben, dann liegt es fast immer nicht am Behälter, sondern an uns Menschen, die das Kompostieren oft mit "Aufhäufen von Abfällen" verwechseln.
Auf Verlangen schicke ich Ihnen gerne unser Merkblatt "Kompostieren", das Ihnen das Wesentliche kurz und bündig und reich illustriert erklärt. Mit einem separaten E-Mail schicke ich Ihnen ein Dokument zu unterschiedlichen Kompostbehältern, darunter auch solche zum Eigenbau.
Ich hoffe, Ihnen bei der Entscheidungsfindung etwas geholfen zu haben, so dass Sie sich, jetzt wo der Frühling naht, frisch ans Werk machen und in einem Jahr schon Ihren ersten, gelungen und wohltuenden Kompost ernten können.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Produktion von Substratkompost

27.01.2004 | Kompost-Anwendung

Sehr geehrter Herr Balmer,
für meine gärtnerischen Betrieb möchte ich in Mieten größere Mengen Substratkompost produzieren. Dazu - in Ermangelung von Kompostmaterial - möchte ich extra angebautes Kleegras, evtl. anderer "Kompostpflanzen" und Stroh das ich mir im Ladewagen ungepresst vom Bauern holen kann, kompostieren. Das eingeweichte Stroh müsste ich noch mit Stickstoff, ich denke an Wässerung mit Vinasselösung, anreichern. Aber wie viel ? Häcksel- und Umsetzmaschinen, abgesehen vom Frontlader am Traktor, habe ich nicht. Haben Sie Tipps, wie ich schnell und gut mit wenig Technik guten Substratkompost produzieren kann ? Auch für Literaturtipps und Links wäre ich sehr dankbar. Mit freundlichem Gruss
Stephan Romahn


Sehr geehrter Herr Romahn

Sie wollen schnell, mit wenig Technik guten Substratkompost aus Kleegras und Stroh für Ihren gärtnerischen Betrieb produzieren. Dies ist. ehrlich gesagt, kaum unter einen Hut zu bringen. Kompostieren ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

1) Wenn Sie in Ihrer Gärtnerei keine Risiken eingehen wollen, muss der Substratkompost eine hohe Qualität hinsichtlich Rottegrad, Hygiene und Pflanzenverträglichkeit aufweisen. Ihre Komponenten, Kleegras und (nasses) Stroh haben extrem wenig Struktur, sodass schon kurze Zeit (einige Tage) nach dem Aufsetzen Sauerstoffmangel in den Mieten herrschen wird, der Kompost also umgesetzt werden muss (Volumenverlust infolge Setzung). Reiche Erfahrungen aus der Vergangenheit lehren aber, dass der Kompost mit einer Ladeschaufel gerade in dieser heiklen Phase nur sehr unzureichend umgesetzt werden kann. Dies hat in den Anfangszeiten der gewerblichen Kompostierung, als man glaubte, mit der Ladeschaufel alles erledigen zu können, zu sehr zweifelhaften Produkten geführt und noch heute sind manche Gärtner überzeugt, Kompost müsse vor der Anwendung mit Heissdampf sterilisiert werden. Dass dabei das Wertvollste im Kompost zerstört wurde wusste man nicht oder nahm es in Kauf, um wenigstens ein einigermassen hygienisches Produkt zu erhalten. Ich nehme nicht an, dass Sie so etwas in Betracht ziehen. Wir stecken also in einem Dilemma: eigentlich könnte der Kompost sehr wirksam von Hand umgesetzt werden, aber das rechnet sich ja heute überhaupt nicht mehr; also greift man zur Maschine - aber die Maschine muss der Zielsetzung entsprechend konstruiert sein. Genau dies ist der Grund, weshalb überhaupt Wendemaschinen erfunden wurden. Vielleicht gibt es ja in Ihrer engeren oder weiteren Nachbarschaft jemanden, der ein solches Gerät hat.

2) Wenn Sie schnell, sagen wir in 12 -16 Wochen guten Kompost herstellen wollen, kommen Sie nicht darum herum, die Rottebedingungen hinsichtlich Sauerstoff, sowie Durchmischung und Feuchtigkeit des Rotteguts stets optimal zu halten. Gelingt dies nicht, besteht keine Garantie, dass das Produkt sich für Ihren Zweck, Substratkompost, eignet. Zwar gibt es auch die "Philosophie" des Frischkomposts, eine Rottegut, das nach 6-8 Wochen, gerade die Abbauphase (Hitzephase) hinter sich hat und auch als Mulchkompost bezeichnet wird. Wie der Name schon sagt, eignet sich Frischkompost aber keinesfalls zur Substratherstellung, weil die Um- und Aufbauvorgänge noch voll im Gang sind und die Wurzelverträglichkeit nicht erreicht ist.

3) Sie könnten mit einem Minimum an Technik (Ladeschaufel) und Arbeitsaufwand dem Kompost einfach Zeit lassen, eine gewisse Reife zu erreichen, so dass es hinsichtlich Wurzelverträglichkeit keine Probleme mehr gibt. Das dauert erfahrungsgemäss ein bis anderthalb Jahre, von "schnell" kann also keine Rede mehr sein. Ausserdem haben Sie keine Gewissheit, ob die Sämereien, die Sie mit dem Stroh und dem Gras in Ihren Rottekörper "eingeschleppt" haben, vernichtet sind. Es ist ja keinesfalls erfreulich, wenn aus Ihrem Substrat alles Mögliche hervor wächst, das Sie weder gepflanzt noch gesät haben.

4) Beim Einsatz von Stroh müssten Sie sicher sein, dass beim Anbau des Getreides keine sogen. Halmverkürzer verwendet wurden. Diese agrochemischen Produkte werden nur bei einigermassen professioneller Kompostierung abgebaut.

5) Über den Einsatz von Vinasse als stickstoffreiche Komponente zum Senken des C/N-Verhältnisses von Stroh fehlt mir leider jegliche Erfahrung. Vielleicht versuchen Sie es zunächst ohne Vinasse, das Kleegras ist ja verhältnismässig stickstoffreich. Wenn Sie nach einiger Zeit feststellen, dass das Stroh nur sehr zögerlich abgebaut wird und die Rottemasse nicht ohnehin schon zu nass ist, können Sie z.B. beim Umsetzen mit Vinasselösung nachfeuchten (Mischungsverhältnis mit Wasser ausprobieren, vielleicht mit 1:20 beginnen).

6) Trotz intensiver Recherchen im Internet fand ich keinen brauchbaren link zu Ihrem speziellen Problem. Als Literatur kann ich Ihnen empfehlen: Dunst, G.: Kompostierung - Anleitung für die Kompostierung am Bauernhof, im Garten und im kommunalen Bereich. Graz: 1991, Leopold Stocker Verlag. ISBN 3-7020-0612-5.

Zum Schluss noch dies. Da Sie, wie eingangs erwähnt, Widersprüchliches unter einen Hut bringen möchten, ist es schwierig, vom Schreibtisch aus wirklich brauchbaren Rat zu geben. Sie müssten eine gewisse Zeit für Experimente und Sammeln von Erfahrungen einplanen können und ausserdem einen hilfreichen Menschen zur Hand haben, der Ihnen mit eigenen Kompostiererfahrungen verschiedenster Art zur Seite steht.
Ich hoffe natürlich, dass sich diese Rahmenbedingungen, besser früher als später, einstellen werden, ist doch Ihr Entschluss, Kultursubstrat für Ihre Gärtnerei selber zu produzieren, nur zu begrüssen.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Ist ein KomposTumbler lohnend?

25.01.2004 | Kompostbehälter

Lohnt sich die Anschaffung eines Compos Tumblers? Der enorme Preis lässt ja hoffen auf ein faszinierendes Ergebnis...


Sehr geehrte Frau Bulkowski

Der ComposTumbler, offenbar ursprünglich ein US-amerikanisches Produkt, verspricht sensationelle Kompostierergebnisse in kürzester Zeit (gerade ein paar Wochen). Selbstverständlich macht dieser, nicht gerade billige Apparat den Kompost nicht, sondern die am Abbau, Umbau und Aufbau beteiligten Mikroorganismen.. Ihnen durch "zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken" optimale Lebens- und damit Arbeitsbedingungen zu schaffen, gehört zu den Grundvoraussetzungen erfolgreichen Kompostierens. Das Mischen kann, wenn die anderen Voraussetzungen erfüllt sind, anstatt mit einem Handwerkzeug (Gabel) durch eine langsame, in Intervallen drehende Bewegung einer Trommel durchaus bewerkstelligt werden. Allerdings muss sicher gestellt sein, dass das ganze Rottematerial durch diese Bewegung immer wieder durchmischt wird und sich keine anaeroben, triefend nasse Klumpen bilden können. Fäulnis und Gestank wären die Folgen, etwas was wir beim Kompostieren ja auf jeden Fall vermeiden müssen.
Ich habe mich vor einiger Zeit in eine News-Group im Internet eingelinkt, wo es um Erfahrungen von Anwendern eben dieses ComposTumblers ging. Die meisten Leute hatten nichts Gutes zu berichten, weil ihnen offenbar nicht genau erklärt wurde, wie sie mit dem Gerät umzugehen hatten und meinten, der Tumbler mache das dann schon von alleine. Ich selber habe mit Kompostiertrommeln (nicht dieser Marke) viele Erfahrungen gesammelt (auch durch Experimentieren) und dabei gefunden, dass man über das Einhalten der oben genannten Regeln auch mit dieser apparativen Hilfe nicht hinweg kommt. Fast immer hat sich im Innern der Rottemasse eine pappige Walze gebildet, die dann doch mit der Gabel gelockert werden musste.
Zu bedenken gibt es ausserdem: Sie haben nach der versprochenen Kompostierdauer einen so genannten Frischkompost, der sich wohl als Mulchmaterial, also als Bodenbedeckung und Dünger im Garten eignet, der aber nicht wurzelverträglich ist (ungeeignet in Töpfen, Kästen und im Boden bei empfindlichen Kulturen). Dies liegt in der Natur der Sache begründet.
Weiter: was machen Sie wenn der Tumbler voll ist? Er enthält ja dann noch Material, das frisch oder nur wenig angerottet ist? Nehmen Sie einen zweiten Tumbler in Betrieb? Setzen sie das Material aus dem einen Tumbler zur Nachrotte auf Miete oder in einen anderen Behälter um? Wie gehen Sie vor, wenn Sie wurzelverträglichen Reifkompost für Töpfe, Kästen oder den Garten benötigen? Sie sehen, ich halte nicht allzu viel von diesem "Wunderding" aber vielleicht hindern diese Argumente Sie nicht daran, dennoch ein solches Gerät anzuschaffen. Sie müssen sich aber bewusst sein, dass Sie, um nicht nur Misserfolg zu erleben, auf jeden Fall lernen müssen, damit umzugehen. Ob Ihnen die Gebrauchsanleitung genügend hilft, wird sich zeigen.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Ratten im Kompost

24.01.2004 | Lebewesen beim Kompost

Wir haben Komposttonnen und leider haben sich dort Ratten genüsslich eingenistet. Wie kann man sie verjagen?


Sehr geehrte Frau Beye

Was meinen Sie mit "Komposttonnen"? Sind das blosse Sammelbehälter, die periodisch abgeführt werden oder Behälter, in denen sie Kompost herstellen? Wenn ich annehme, dass das Zweite der Fall ist, dann gibt es zwei Möglichkeiten. 
1) Sie versuchen herauszufinden, ob es in Ihrer Stadt oder Gemeinde einen sogenannten Desinfektor gibt. Das sind Personen, die von den Gesundheitsbehörden angestellt oder beauftragt sind, Ungeziefer (wozu im allgemeinen Sprachgebrauch auch die Ratten gehören) unter Kontrolle zu bringen. Es werden dann Giftköder ausgelegt, die von einigen Ratten verzehrt werden und was sie selbstverständlich umbringt. Von den toten Ratten ist im allgemeinen aber nichts zu sehen, weil sie nicht dort verenden , wo das Gift liegt. Weil Ratten kluge Tiere sind meiden sie in Zukunft die Stelle, wo ihre Artgenossen vergiftet wurden und Sie sind die Rattenplage für längere Zeit oder für immer los. Die Desinfektoren/Desinfektorinnen verfügen über Giftköder, die Sie im Handel nicht ohne weiteres erhalten. 
2) Sie räumen Ihre, von Ratten bewohnten Komposttonnen komplett aus, entsorgen den Inhalt über die Müllabfuhr und verzichten während einiger Wochen auf das Kompostieren. Wenn die Ratten nichts mehr zu essen finden ziehen sie weiter. Das Problem ist dann einstweilen gelöst.

Wenn Sie wieder mit Kompostieren beginnen, achten Sie bitte darauf, dass Sie es von Anfang an richtig machen (zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken) und nicht wieder nur Futter für Ratten in Ihrer Komposttonne deponieren. Sehr oft tritt nämlich das Rattenproblem dann auf, wenn die Menschen die Grundregeln des Kompostierens entweder nicht kennen oder missachten. Es ist aber nicht so, dass Ratten zwangsläufig vom Kompost angelockt werden (auch nicht wenn er falsch betrieben wird), sondern die Ratten sind aus irgendeinem anderen Grund schon da und finden früher oder später das leckere Futter, das der Mensch ihnen bei unsachgemässer Kompostierung hingelegt hat. Wie sollen die Ratten wissen, dass das gar nicht für sie bestimmt ist?
Die weit verbreitete Meinung, dass Ratten durch gekochte Speisereste im Kompost unwiderstehlich angelockt werden, ist übrigens falsch. Werden die Speisereste ordentlich und fachgerecht kompostiert, haben nur Mikroorganismen aber keine Ratten daran Interesse.
Ich hoffe, dass Ihnen dieser Rat, der schon vielen geholfen hat, auch Ihnen weiterhilft.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Was gehört nicht in den Kompost?

17.01.2004 | kompostierbar - oder nicht

Welche Dinge sollte man nicht in den Kompost legen?


Sehr geehrter Herr Hady

Dinge, die nicht aus der lebendigen Natur stammen, wie Schrauben, Nägel, Blech, Glas, Gummi, Steine, Plastik, Alufolie usw. dürfen Sie nicht in den Kompost "legen"; sie verrotten nicht und setzen unter Umständen sogar Schadstoffe frei.
Streng genommen dürfen Sie eigentlich nichts in den Kompost legen, Sie sollten die geeigneten Rohstoffe (oft irreführend als organische oder auch biogene Abfälle bezeichnet) kompostieren, d.h.: "zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken". Ich wehre mich dagegen, die Reststoffe und Rückstände, die aus dem Lebendigen stammen als Abfälle zu bezeichnen, weil darin eine Geringschätzung enthalten ist, die sich auf das Kompostieren negativ auswirken kann (man wirft's auf den "Kompost" und kümmert sich nicht weiter darum). Dass dabei nichts Rechtes herauskommt liegt eigentlich auf der Hand und ist übrigens mit analytischen Methoden und Pflanzentests auch nachweisbar.
Wenn Sie also entsprechend den genannten vier Regeln vorgehen, können Sie sämtliche gut zerkleinerten pflanzlichen Reststoffe und Rückstände kompostieren. Unter der Voraussetzung, dass Ihr Kompost gut gepflegt wird und in der obersten Zone, der Abbauphase, Hitze entwickelt (40-50°C und darüber) gilt dies auch für die Schalen von Südfrüchten (Orangen, Zitronen, Grapefruit, Bananen etc.), für kranke Pflanzen oder Teile davon sowie für samentragende Kräuter.
Falls sie Brotreste kompostieren wollen, müssen diese zuerst in Wasser eingeweicht und dann zu einem Brei "zermantscht" werden. Diesen Brei verteilen Sie auf der obersten Schicht Ihres Komposts, geben zwei, drei Handvoll Häckselgut dazu und vermischen alles sofort mit der Kompostgabel. Nur so ist die Brotsubstanz "ein gefundenes Essen" für die richtigen Kompostmikroben; andernfalls verschimmeln die Brotreste im Kompost bloss - von Humusbildung keine Spur.
Ein Kompostprofi, der wirklich gut zu seinem Kompost schaut, mutet ihm auch zu, dass er tierische Reststoffe, lies Fleisch, und Speisereste problemlos verdaut. Das Ziel sollte ja sein, alle organisch-biologischen Restoffe aus Haushalt, Küche und Garten durch Kompostieren in den Kreislauf der lebendigen Substanz zurück zu führen.
Hobelspäne, als Einstreu für Kleintiere können zwar grundsätzlich kompostiert werden, man hat aber meistens zuviel davon und dann gibt es Probleme, denn Holz verrottet nur gut, wenn es mit genügend Frischmaterial vermischt ist (es hat etwas mit dem Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis zu tun).

Zu guter letzt noch etwas zur Holzasche: aus der Sicht des Bodenschutzes darf Holzasche, auch wenn sie "sauber" ist, nicht als Zuschlagstoff zum Kompost verwendet werden. Holzasche enthält immer relativ hohe Anteile an Schwermetallen, auch wenn sie aus der Verbrennung von reinem Waldholz stammt.
Falls ich etwas nicht erwähnt habe, das Ihnen zweifelhaft erscheint, nehmen Sie doch bitte direkt mit mir Mailkontakt auf.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Messmethode für EM-Kompost

11.01.2004 | Kompost-Anwendung

Sehr geehrter Herr Balmer, ein befreundeter Bekannter betreibt in Spanien eine staatliche Kompostieranlage, da wir schon seit einiger Zeit mit EM arbeiten und wunderbare Erfolge mit unserem Hauskompost erhalten haben, sprachen wir bei unserem letzten Besuch in Spanien mit ihm darüber. Wir haben sofort Proben durchgeführt die auch sehr gut gelungen sind. Die Proben wurden aerob durchgeführt, so wie auch die gesammte Anlage arbeitet. Der Kompost sah nach ca. 8 Wochen fertig aus,hatte jedoch nach dort genutzter Meßmethode eine zu hohe Temperatur. Gibt es eine spezielle , anerkannte Meßmethode für EMKompost? Der Bekannte spricht von ISS? Über eine schnelle Beantwortung unserer Frage würden wir uns freuen, da unser Bekannter sehr großes Interesse an EM zeigt, aber er ohne Meßmethode keine Möglichkeit sieht EM zu benutzen.


Sie schreiben, dass der Kompost nach 8 Wochen eine (noch) zu hohe Temperatur aufwies. Leider erwähnen Sie keine Zahlen. Prinzipiell ist es aber so, dass hohe Temperaturen des Rotteguts nach zweimonatiger Rottedauer (45°C und darüber) auf mehrere Ursachen zurückgeführt werden können; mit EM hat das meines Erachtens kaum etwas zu tun.

1) Das Ausgangsmaterial hat ein weites C/N-Verhältnis, d.h. der Anteil Holz (Gehölz) ist im Verhältnis zum "weichen Grün" hoch bis sehr hoch (z.B. über 50). Weil ein anwendungsbereiter Kompost ein C/N-Verhältnis um 20 (besser darunter) haben sollte, heisst das, dass viel Kohlenstoff aus den organischen Verbindungen von den Mikroorganismen (MO) unter Produktion von Energie (Wärme) zu Kohlendioxid (CO2) veratmet werden muss. Die Wärme wird von gewissen MO als Energie genutzt zum grössten Teil aber in die Umgebung abgestrahlt. Nun ist Rottematerial aber auch ein guter Wärmeisolator, d.h. wenn der Kompost nur gelegentlich oder gar nicht umgesetzt (gewendet) wird, staut sich die Hitze im Rottekörper an. Stell man also fest, dass eine Kompostmiete während längerer Zeit kaum einen Temperaturrückgang zeigt, muss unbedingt öfter, unter Umständen mehrmals/Woche umgesetzt werden.
2) Ein wichtiger Faktor bei der Rottelenkung ist die Feuchtigkeitskontrolle. Die Praxis zeigt, dass zu trockene Kompostmieten lange Zeit zu warm (heiss) bleiben. Die Verrottung verläuft nur dann optimal, wenn genügend Wasser im Rottekörper vorhanden ist. Dies ist schon rein optisch festzustellen: das Rottematerial hat schon nach wenigen Tagen eine fast einheitlich dunkle Färbung; sind grössere Zonen grau oder weisslich, dann fehlt es an der nötigen Feuchtigkeit, was korrigiert werden muss. Auch die Faustprobe ist ein zuverlässiger Test: eine Handvoll Rottemasse wird in der Faust so stark wie möglich zusammengepresst; zerbröselt das Material beim Öffnen der Faust, ist die Masse zu trocken; verschmiert oder trieft das Material beim Pressen, ist es zu nass; bei richtiger Feuchte können Sie den zusammengepressten Klumpen mit zwei Fingern fassen, ohne dass er zerbröselt; die pressende Hand ist nicht nass, nur feucht geworden.
Es sind also drei Bedingungen, die eine erfolgreiche, zügige Verrottung beeinflussen: - Zusammensetzung des Ausgangsmaterials - Bearbeitung (Umsetzen) - Feuchtigkeitskontrolle
EM dienen nicht dazu, die Verrottung zu beschleunigen, sondern diese in eine Richtung zu lenken, die zur Steigerung der Kompostqualität betragen kann, vorausgesetzt, die Kompostierung gelingt auch ohne Einsatz von EM. In einem verwendungsbereiten Kompost dürfen ausser Holzstücken keine weiteren organischen Reststoffe mehr erkennbar sein.
Sie können selbstverständlich den Kompost testen; am besten gelingt das mit jenen Organismen, die später mit dem Kompost direkt in Kontakt kommen, den Pflanzen. Der Kressetest ist einigermassen verlässlich und ergibt in bereits nach einer Woche Resultate. In unserem Merkblatt, das ich Ihnen auf Verlangen gerne zuschicke, ist dieser Test genau beschrieben.
Von ISS habe ich leider noch nie etwas gehört (höchstens im Zusammenhang mit International Space Station - aber die ist ja wohl hier nicht gemeint).
Es gibt weitere Parameter, die über den Rottegrad, die Qualität eines Komposts und seine Einsatzmöglichkeiten Auskunft geben, aber nur in gut ausgerüsteten Labors erfasst werden können. Sie zu schildern, würde hier zu weit führen.
Vielleicht kommen Sie mit meinen Darlegungen ja schon einen Schritt weiter.

Mit freundlichem Gruss 
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Verrottungsdauer von Bananen

09.01.2004 | Kompost-Anwendung

Wie lange brauchen Bananen bis sie endgültig verrottet sind?


Sehr geehrte Frau Schärf
Meinen Sie Bananen oder Bananenschalen? So oder so müssen Sie die Früchte oder die Schalen in kleine Stücke schneiden. Früchte in dünne max. 10 mm dicke "Rädchen"; Schalen in kleine Schnipsel, das geht sehr rasch mit einer guten Haushaltschere. So vorbereitet verrotten diese Bestandteile in einem gut gepflegten Kompost in der warmen Jahreszeit innerhalb von 2 Wochen, d.h. man kann davon nichts mehr identifizieren Die warme Jahreszeit erwähne ich deshalb, weil auch ein gut gepflegter Kompost bei tiefen Umgebungstemperaturen (unter 8°C) oft in den "Winterschlaf" verfällt, die Mikroorganismen nur noch langsam oder gar nicht mehr arbeiten (wie im Kühlschrank eben), was aber kein Grund ist, den Kompost zu vernachlässigen: immer alles gut zerkleinern und jede Portion "Grün" jedes Mal mit gleichviel Häcksel- bzw. Schreddergut vermischen. Wenn ein Kompost genügend "Grünfutter" erhält (also wesentlich mehr als zwei, drei Bananenschalen pro Woche) produziert er genügend Wärme, was auch bei tiefen Temperaturen oder gar bei Frost eine hohe mikrobiologische Tätigkeit ermöglicht.
Wenn Bananenschalen nicht fachgerecht kompostiert, sondern so wie sie anfallen auf den "Kompost" entsorgt werden (leider eine weit verbreitete Unsitte), verrotten sie nicht, sondern schrumpfen und werden im Lauf der Zeit zu einem schwarzen, lederartigen "Dings"; von Humusbildung keine Spur. Diese Erscheinung wird dann vorschnell mit der Behauptung erklärt: Bananenschalen sind eben so stark mit Pestiziden kontaminiert, dass sie im Kompost nicht verrotten. Auch garantiert pestizidfreie Bioäpfel verrotten im Kompost nicht, sondern kommen am Ende wieder als schwarze Kugeln zum Vorschein, wenn sie nicht sachgemäss zerkleinert wurden. Pestizidrückstände auf Südfrüchten spielen in der Menge wie ihre Schalen in einem Haushalt anfallen beim Kompostieren keine Rolle. Immer unter der Voraussetzung, dass richtig Kompostiert und nicht bloss deponiert und entsorgt wird.
Mit freundlichen Grüssen
Hans Balmer

Kompoststarter für den Haushaltskompost

21.03.2003 | Kompostieranleitungen

Kann man Fertigkompost aus einer Kompostanlage als Starthilfe für den Hauskompost untermischen und bringt dies einen Vorteil?


Sehr geehrter Herr Schiedermeier
Wenn die Bedingungen für die Verrottung stimmen 1) gut zerkleinerte Kompost-Rohstoffe aus Haushalt, Küche und Garten aller Art, 2) alles intensiv mit Strukturmaterial (Häckselgut von Baum und Strauch) vermischt, 3) genügend Feuchtigkeit der Rottemasse (wie ein ausgedrückter Schwamm), 4) Kompoststelle abgedunkelt (zugedeckt), dann läuft die Kompostierung fast von selbst. Die Mikroorganismen beginnen sofort zu "arbeiten", wenn wir für sie optimale Lebensbedingungen schaffen. So genannte Kompoststarter sind in aller Regel überflüssig und vor allem können sie die Fehler nicht beheben, die sich durch Missachtung der vier oben genannten Regeln ergeben. Sie sind gewissermassen das A&O der erfolgreichen Kompostierung.
Wenn Sie mir eine Adresse angeben, schicke ich Ihnen gerne unser bewährtes Merkblatt "Kompostieren", wo Sie alles kurz und bündig und reich illustriert dargestellt finden.
Falls aber alles richtig gemacht wird und die Umgebungstemperatur nicht unter 15°C liegt, der Kompost aber trotzdem nicht richtig "losfährt", kann eine Gabe von Reifkompost selbstverständlich nicht schaden. Zwei, drei Hand voll würden aber vollauf genügen. Es geht ja nur darum, zu impfen. Falls Sie selber noch einen Vorrat von eigenem Kompost hätten, würde dieser den gleichen Zweck erfüllen. Es wird auch empfohlen, ab und zu eine Handvoll (aber nicht mehr!) krümeliger Gartenerde in der obersten, der Abbau-Zone des Komposts unter die Rottemasse zu mischen.

Mit freundlichem Gruss Hans Balmer, Kompostberater

Wie baue ich eine Rottetrommel?

26.01.2003 | Zubehör

Lieber Hans Balmer, ich möchte gerne eine Rottetrommel bauen und benötige dafür eine Anleitung. Gibt es Links, Bücher, Projekterfahrungen, Anleitungen im Internet oder im Buchhandel?


Sehr geehrte Frau Völkner
Leider fand ich in meinen zahlreichen Büchern und Artikeln über Kompost und Kompostieren nichts, das Ihrem Wunsch entgegenkäme. Auch die Recherche im Internet half nicht weiter. Zu "Rottetrommel" findet man zwar eine ganze Menge, aber es sind immer grosstechnische Lösungen. Unter dem Suchwort "Compostumbler" findet man im www zahlreiche Treffer aber praktisch nichts auf Deutsch. Schauen Sie mal nach unter www.compostumbler.com
Wir arbeiten zwar hier in Basel mit sogen. Rottetrommeln, Geräte, die wir vor vielen Jahren fixfertig in der BRD für DM 850 gekauft haben. Der Trommelkörper, ein oktogonales Hohlprisma, fasst 500 Liter und ist original aus ca. 4 cm starken unbehandelten Fichtenbrettern gefertigt. Das Ganze wird mit zwei spannbaren Stahlreifen zusammengehalten und ist horizontal in einem Stahlgestell gelagert. Wahrscheinlich ist es nicht das, was sie sich vorstellen.
Wenn Sie, aus was für Gründen auch immer, mit einer Trommel kompostieren möchten, gäbe es die Lösung des "armen Mannes": - Beschaffen Sie sich ein Fass (gebraucht aber sauber) mit gut verschliessbaren Deckel von etwa 100 - 200 Liter Inhalt. - Bohren Sie viele Löcher mit ca. 15 mm Durchmesser - Beschicken Sie das Fass mit organischen Reststoffen aller Art und mit Häckselgut von Baum und Strauch (Strukturmaterial) - Rollen sie das Fass täglich auf ebenem Boden ein paar Mal langsam hin und her - Beobachten Sie den Rotteprozess und setzen Sie das Beschicken und Rollen fort, bis die das Fass annähernd voll ist. Wenn inzwischen mehre Wochen vergangen sind, können Sie dem Behälter mit etwas Glück einen sogen. "Frischkompost" entnehmen, den Sie in einer Ecke Ihres Gartens zugedeckt noch ein paar Wochen nachreifen lassen sollten. Es gelten selbstverständlich auch hier die "goldenen Regeln" des Kompostierens: zerkleinern - mischen - feucht halten.
Wenn Sie mit dieser Billiglösung Erfolg haben, werden Sie vielleicht auf einem alten Tisch vier Rollen von 15 - 20 cm Durchmesser (Bau- und Hobbymarkt) montieren und Ihr Fass darauf lagern. An einer der Rollen können Sie dann eine Kurbel anbringen und schon haben Sie eine fast perfekte Rottetrommel, die nur noch einen Nachteil hat: die Einfüll- und Entnahmeöffnung ist seitlich, sodass die Trommel beim Beschicken immer mehr oder weniger gekippt werden muss. Aber dazu fällt Ihnen ganz bestimmt auch noch etwas ein.
Ich hoffe, dass Ihnen diese Tipps einwenig weiter helfen werden.
Mit freundlichem Gruss Hans Balmer, Kompostberater

Welche Bakterien machen den Kompost?

13.01.2003 | Lebewesen beim Kompost

Aus was für welchen Bakterien besteht der Kompost, damit er die Erde "säubert"? Z.B ein Baumblatt verwest und zu Kompost wird. Was geschieht damit es zu Kompost wird?


Hallo Andy
Es gehört ohne Zweifel zu den Wundern dieser Welt, dass die lebendige Natur keinen Abfall produziert. In der Natur gibt es unzählige kleine und kleinste Lebewesen, die Bodenorganismen, die alles, was von den übrigen Lebewesen nicht mehr gebraucht wird oder was abgestorben ist, als Nahrung verwerten. Wir wissen, dass sämtliche Lebewesen, Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen, von den Kleinsten bis zu den Grössten, einen Stoffwechsel haben, das heisst: alle Lebewesen nehmen ständig Stoffe von anderen Lebewesen und von der unbelebten Umwelt (Wasser, "Luft", Mineralien) in sich hinein und bauen daraus ihre arteigene Körpersubstanz auf oder wandeln sie in Energie (z.B. Wärme) um.
Wenn wir z.B. ein Stück Brot essen, wandelt unser Organismus die "Brotsubstanz" in "Menschensubstanz" (Blut, Nerven, Muskeln, Knochen, Haare und Nägel usw. ) und in Wärme um. Dieser äusserst komplizierte aber gut erforschte Vorgang, Verdauung genannt, ist nur durch die Tätigkeit kleinster Lebewesen - den Körperzellen unseres Verdauungsorgane und der in diesen Organen lebenden Mikroorganismen (Darmbakterien) möglich. Die Zellen - und ich rechne nun auch die Bakterien dazu - scheiden Stoffe, so genannte Enzyme aus, die, um bei unserem Beispiel zu bleiben, die Brotsubtanz auflösen; grob gesagt zu Zuckermolekülen( Kohlenhydrate), Eiweissstoffen (Proteine), Fettstoffen und Mineralien. Das sind, wiederum vereinfacht gesagt, die Grundstoffe aus denen zusammen mit Wasser sämtliche Lebewesen bestehen.
Nun wissen wir, dass Tiere und Menschen nicht nur essen, sondern Unverdauliches und Schlackenstoffe als Kot und Urin ausscheiden. Leider werden diese Stoffe in der menschlichen Zivilisation schon seit langem zu "echtem Abfall" und werden meistens vernichtet. In der übrigen Natur ist das nicht so: die Körperausscheidungen (Stoffwechsel-Endprodukte) sind Wertstoffe und sind für Spezialisten (z.B. Dungkäfer, Insektenlarven, Mikroorganismen) die einzige Nahrungsquelle. Aber auch diese Tiere hinterlassen ja irgendwelchen Kot - also gibt es doch "Abfall" in der Natur?
Nein, hier setzt nun das Heer der Mikroorganismen ein, die dazu fähig sind, auch die allerletzten Reste organischer Substanz (Stoffe, die von Lebewesen stammen - Kohlenhydrate, Eiweisse, Fettstoffe usw.) umzuwandeln, in Humus. Humus wiederum ist die Grundlage für alles höhere pflanzliche Leben auf der Landfläche des Planeten Erde.
Ein Baumblatt verwest, es gibt sein Wesen auf, wird zu Nahrung einerseits für Kleintiere (Asseln, Würmer, Insektenlarven, Milben, Tausendfüssler etc.), anderseits für Mikroorganismen, die aber nur dort "angreifen" können, wo die Kleintiere Löcher (offene Wunden) genagt haben. Die Mikroorganismen werden in drei Gruppen eingeteilt: Bakterien, Pilze, Aktinomyzeten. Aktinomyzeten=Strahlen"pilze" sind besondere Bakterien, die mit ihren Enzymen das Baumaterial der Pflanzen, Zellulose, spalten und so zu Zucker umwandeln können. Dieser Zucker dient ihnen und anderen als Energiespender. Was schliesslich von diesem gewaltigen, weltweiten Verdauungsprozess an festen Stoffen übrig bleibt ist Humus. alle diese Prozesse spielen sich auch beim ordentlichen Kompostieren ab. Kompostieren ist der beste Weg, in kurzer Zeit hochwertigen Humus zu produzieren.
Tja, so ist aus der Antwort auf die einfachen Frage "Wie wird ein Blatt zu Kompost (Humus)" eine längere Geschichte geworden und ich hoffe, dass sie einwenig Einblick gibt in das wundersame Geschehen des "Recyclings" in der Natur.
Mit freundlichem Gruss Hans Balmer, Kompostberater

Was ist alles kompostierbar?

10.01.2003 | kompostierbar - oder nicht

Ich habe noch nie kompostiert, aber für uns Luzerner wird das ab Juli 2003 zur Pflicht. Nun möchte ich wissen was man alles kompostieren kann. Ich habe gehört dass man keine gekochten Speisen in den Kompostkübel werfen darf!!!! Wie steht es mit Blumen und Pflanzenabfällen oder nicht aufgegessenem Katzenfutter? Für eine aufschlussreiche Info währe ich sehr dankbar.


Wenn Sie sagen, Kompostieren werde ab Mitte dieses Jahres für Luzerner zur Pflicht, muss man unterscheiden, ob Sie selber kompostieren sollen (müssen) oder ob Sie einen Eimer bereitstellen müssen, der dann abgeholt wird. Im zweiten Fall müssen, die sicher vorhandenen Vorschriften bzw. Richtlinien der Organisation, die das Gut einsammelt, eingehalten werden und da bin ich verständlicherweise nicht zuständig.
Wenn sie selber kompostieren können, sieht die Sache folgendermassen aus. - Kompostieren kann man grundsätzlich alles, was aus dem Lebendigen stammt. Die Natur kennt keinen Abfall! Kompostieren hat also nichts zu tun mit "Abfallverwertung" oder "Abfallentsorgung". Dementsprechend wird auch nichts in "einen Kübel geworfen", denn damit schafft man sich augenblicklich Probleme (Fäulnis,Gestank, lästige Insekten, Ärger mit den Nachbarn), die unter allen Umständen vermieden werden müssen.
- Kompostieren ist eine Methode, die biologisch-organischen Reststoffe, die wir nicht (mehr) verwenden wollen oder können mit Hilfe natürlicher Vorgänge in Humuskompost (Kompost"erde") zu verwandeln. Weil die meisten dieser Reststoffe rasch verderben und bei falscher Behandlung in Fäulnis übergehen, müssen die folgenden vier Regeln, die sich tausendfach währt haben, beachtet werden.
1) Zerkleinern. Die Umwandlung der Reststoffe beginnt damit, dass Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Aktinomyceten) die organische Substanz abbauen (verdauen). Mikroben haben keine Zähne und können sich nur auf der Oberfläche entwickeln. Alles was lebt, muss sich gegen diesen biologischen Abbau mit Membranen, Häuten, Schutz- und Abwehrstoffen etc., wehren. Mit dem Zerkleinern (ideale Grösse der Stücke wie für Fruchtsalat) bringen wir zahlreiche offene Wunden an, wo die Mikroben ungehemmt angreifen können. Ausserdem lassen sich kleine Stücke besser mit Strukturmaterial (s. nächsten Punkt) vermischen als grosse. Denken Sie dabei an Ihre eigene Ernährung - gut gekaut ist halb verdaut.
2) Mischen. Die meisten Reststoffe aus Küche und Haushalt sind, wie schon erwähnt, schnell verderblich. Dieses Verderben ist auf "falsche" Mikroben zurückzuführen, die auch unter Luftabschluss prächtig gedeihen (anaerob), dabei aber keinen Humus, sondern nur übel riechende, z.T. giftige Abbauprodukte (Ammoniak, Sulfid, Schwefelwasserstoff, "Leichengifte" etc.) produzieren. Das müssen wir verhindern, indem wir gehäckseltes (geschreddertes) Holz von Baum und Strauch (Häckselgut) in etwa gleicher Menge mit den weichen, wasserhaltigen, nährstoffreichen, verderblichen Bestandteilen laufend vermischen. Es ergibt sich ein lockeres, luftiges Gemisch, dass ausgezeichnet rottet und je nach Nahrungsmenge, die den (richtigen)Mikroben zur Verfügung steht, viel Wärme produziert (50 °C und darüber).
3) Feucht halten. Alles Leben ist an Wasser gebunden. Das gilt auch für Mikroorganismen. Sie können sich aus- schliesslich auf einer feuchten Oberfläche entwickeln und vermehren. Die Feuchtigkeit der Rottemasse muss von uns überwacht werden. Falls nötig wird mit einer kleinen Giesskanne mit Brause nachgefeuchtet. Der Rottekörper muss immer so feucht sein, wie ein ausgedrückter Schwamm. Wenn die Feuchtigkeit stimmt, läuft auch der Verrottungs- prozess zügig und problemlos ab. Am besten macht man die wöchentlich eine Feuchtigkeitskontrolle.
4) Immer zudecken. Im Kompost sind Bodenlebewesen tätig, die lichtempfindlich und lichtscheu sind. Wir sorgen also dafür, dass es im Kompost "stockdunkel" ist. Ausserdem wird durch das Zudecken ein unkontrolliertes Vernässen durch Niederschläge verhindert.
Kurz: zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken.
Sie sehen, Kompostieren ist, wie eigentlich alles was der Mensch tut, mit Arbeit verbunden. Der Kompost ist kein Abfallhaufen, sondern ein Lebensraum, ja gewissermassen ein Organismus, der seinen Ursprung uns "verdankt" und deshalb (ähnlich wie ein Haustier) auch gepflegt werden muss. Aber die Arbeit lohnt sich auf jeden Fall; der Lohn ist ein Humuskompost von ausgezeichneter Qualität, der so nirgends im Handel erhältlich ist.
Gekochte Speisereste lassen sich selbstverständlich auch kompostieren. Es ist einfach darauf zu achten, dass keine Klumpen gebildet werden, also sorgfältig mit Häckselgut vermischen. In Klumpen herrscht immer Sauerstoffmangel (anaerob) und daher Fäulnis!
Verwelkte Blumensträusse klein schneiden (3-4-cm) und kompostieren. Alte Blumentopf- oder Kistchenerde im Garten verteilen. Pflanzen, vor allem auch die Wurzeln, klein schneiden und kompostieren.
Nicht aufgegessenes Tierfutter genau wie gekochte Speisereste kompostieren.
Um nicht alles andere auch noch aufzählen zu müssen, würde ich Ihnen gerne unser Merkblatt schicken, wo Sie alles klipp und klar, kurz und bündig und reich illustriert erläutert finden. Teilen Sie mir doch bitte eine Adresse mit, wo ich das hinschicken darf.
Ich hoffe, Ihnen fürs erste geholfen und Sie für die faszinierende Tätigkeit "Kompostieren" begeistert zu haben. Es ist wirklich nicht schwierig, wenn man sich bewusst ist, dass der Kompost etwas Lebendiges ist, das unserer Zuwendung bedarf.
Sie sehen, Kompostieren ist, wie eigentlich alles was der Mensch tut, mit Arbeit verbunden. Der Kompost ist kein Abfallhaufen, sondern ein Lebensraum, ja gewissermassen ein Organismus, der seinen Ursprung uns "verdankt" und deshalb (ähnlich wie ein Haustier) auch gepflegt werden muss. Aber die Arbeit lohnt sich auf jeden Fall; der Lohn ist ein Humuskompost von ausgezeichneter Qualität, der so nirgends im Handel erhältlich ist.
Gekochte Speisereste lassen sich selbstverständlich auch kompostieren. Es ist einfach darauf zu achten, dass keine Klumpen gebildet werden, also sorgfältig mit Häckselgut vermischen. In Klumpen herrscht immer Sauerstoffmangel (anaerob) und daher Fäulnis!
Verwelkte Blumensträusse klein schneiden (3-4-cm) und kompostieren. Alte Blumentopf- oder Kistchenerde im Garten verteilen. Pflanzen, vor allem auch die Wurzeln, klein schneiden und kompostieren.
Nicht aufgegessenes Tierfutter genau wie gekochte Speisereste kompostieren.
Um nicht alles andere auch noch aufzählen zu müssen, würde ich Ihnen gerne unser Merkblatt schicken, wo Sie alles klipp und klar, kurz und bündig und reich illustriert erläutert finden. Teilen Sie mir doch bitte eine Adresse mit, wo ich das hinschicken darf.
Ich hoffe, Ihnen fürs erste geholfen und Sie für die faszinierende Tätigkeit "Kompostieren" begeistert zu haben. Es ist wirklich nicht schwierig, wenn man sich bewusst ist, dass der Kompost etwas Lebendiges ist, das unserer Zuwendung bedarf.
Mit freundlichem Gruss Hans Balmer, Kompostberater

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