Kompostforum Schweiz
 
 
Fragen und Antworten | Kompostberater Dr. Hans Balmer gibt Auskunft.  
 
 
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Regula Meier

05.03.2010
 

Kompost wird nicht heiss (Kompostieranleitungen)

Sehr geehrter Herr Balmer,
mein Kompost ist voller Würmer, aber er wird nicht heiss. Er ist in meinem Schrebergarten und ich bringe wöchentlich unseren Hauskompost
(Küche) -
sowie unseren Hasenmist (Hobelspäne und Hasenkot). Ich gebe keinen Häcksel bei, weil ich denke, dass der Kompost genug Holzteilchen hat.
Regelmässig gebe ich Steinmehl und biologischen Kompostbeschleuniger bei und wässere den Kompost auch.

Hans Balmer


Sehr geehrte Frau Meier
Die Erwärmung eines Rottekörpers ist an verschiedene Bedingungen geknüpft.
1) Vom Zerkleinerungsgrad der zur Kompostierung bestimmten Reststoffe.
Die Wärme wird durch den Stoffwechsel der abbauenden Bakterien und Pilze erzeugt. Je kleiner die Bestandteile, desto grösser die Besiedlungsfläche, desto zahlreicher die Mikroorganismen und je grösser die Mikrobenmasse desto grösser die Erwärmung.
2) Vom Anteil der leicht abbaubaren Stoffe, die vor allem in frischem, pflanzlichen Material bzw. dessen Rückständen und Reststoffen enthalten sind.
3) Von der Menge solcher leicht abbaubaren Stoffe. Zwei, drei gut zerkleinerte Bananen- u. andere Obstschalen und ein paar zerkleinerte Salatblätter wöchentlich z.B. führen zu keiner merkbaren Erwärmung des Rottekörpers.
4) Vom mit Luft (Sauerstoff) gefüllten Porenvolumen. Der Abbau benötigt viel Sauerstoff, der nur durch fortlaufendes Lockern mit der Gabel (mischen) der Abbauzone und entsprechende Mengen Strukturmaterial (Häckselgut von Baum und Strauch) gewährleistet ist.
5) Von ausreichender Feuchtigkeit. Die Rottemasse muss immer so feucht sein wie ein ausgedrückter Schwamm.
6) Von der Aussentemperatur. Im Winterhalbjahr ist es schwierig, einen Kompost, wie er in Haus- und Freizeitgärten üblich ist, "auf Touren zu bringen". Wenn alles richtig gemacht wird, kann man den Kompost kann der Kompost zwar auch den Winter über beschickt werden, weil er bei richtiger Pflege im Prinzip nicht gefriert. Wenn die Aussentemperatur wieder dauerhaft über 10°C liegt, wird das viele, noch nicht abgebaute "Futter" rasch umgewandelt und es ist auch eine sprunghafte Erwärmung bis 40°C und darüber festzustellen.

Wenn Sie schreiben, dass Sie kein Häckselgut verwenden, in der Annahme, die Hobelspäne aus Ihrem Kaninchenstall würden genügen, dann ist das leider ein Irrtum. Hobelspäne sind kein Ersatz für Häckselgut.
Sie können, bei ausreichender Feuchtigkeit der Rottemasse, keine lockere Struktur im Kompost erzeugen, weil die Hobelspäne, wenn sie durch und durch feucht sind, zusammenklumpen, wie die Seiten einer nassen Zeitung. Der Zutritt von Luft wird so verwehrt und die sauerstoffbedürftigen Mikroben (auf die kommt es vor allem an) können höchstens an der Oberfläche der Klumpen wirken. Wird, um Klumpenbildung zu vermeiden, auf ausreichende Feuchtigkeit verzichtet, dann füllt sich der Kompost sehr schnell mit unverrottetem Material auf - die so wichtige Humusbildung bleibt aus. Wenn relativ wenig frisches Grüngut und/oder Reststoffe aus dem Hauhalt für die Kompostierung zur Verfügung stehen, ist erfahrungsgemäss der Anteil Einstreu aus der Haustierhaltung sehr bald zu gross, weil die stickstoffhaltigen Komponenten fehlen; auch hier bleibt dann die Humusbildung aus. Mit "Kompostbeschleuniger", den Sie ja auch verwenden, kann die Sache einigermassen korrigiert werden; die erforderliche Menge findet man durch ausprobieren. Aber: das Kompostierhilfsmittel, und hier käme auch Hornmehl in Betracht, nützt wenig bis nichts, wenn die übrigen Rottebedingungen nicht stimmen.

Das ist ziemlich graue Theorie ich weiss; die Beratung an Ort und Stelle wäre natürlich viel aufschlussreicher.
Da Sie in Basel zuhause sind, schicke ich Ihnen dazu mit separatem Mail einige zusätzliche Informationen.

Mit freundlichem Gruss
Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung micropower@vtxmail.ch