Sehr geehrte Frau Meier
Landauf, landab wird das Märchen fleissig weiter erzählt, dass Fleisch und gekochte Speisereste im (oder besser auf dem) Kompost unweigerlich Ratten anlocken würden. Wenn dem so wäre, dürfte ich in meinem Hausgarten schon lange nicht mehr kompostieren, weil es von Ratten nur so wimmeln würde.
Zu diesem Märchen ist folgendes zu berichtigen:
1) Ratten sind Allesesser und nicht auf unsere Kochkünste angewiesen.
Wenn bereits Ratten in der Umgebung sind, werden diese, auf ständiger Nahrungssuche, erfahrungsgemäss auch Komposte besuchen, wo organische Reststoffe aus der Küche nur deponiert, anstatt ordentlich und sachgemäss kompostiert werden. Und dies auch dann wenn niemals gekochte Speisereste oder Fleischreste "entsorgt" werden.
2) Falls die Anwesenheit von Ratten in der Umgebung ausgeschlossen werden kann, steht dem Kompostieren von Speiseresten und auch von
Fleisch- bzw. Fischresten nichts im Wege, wobei die Betonung auf KOMPOSTIERT liegt, d.h. Speisereste gleich welcher Art, also z.B. auch Teigwaren und Gratins, müssen in etwas Heisswasser aufgelöst und dann mit der Haushaltschere soweit zerkleinert werden, dass eine dickliche "Suppe" entsteht. Mit dem Gefäss, in dem das geschieht, geht man dann zum Kompost, verteilt die "Suppe" auf der Oberfläche der Rottemasse, gibt etwas Häckselgut darauf und vermischt sofort anschliessen die beiden Komponenten intensiv mit der Gabel. So gelangen die Reste unmittelbar in Kontakt mit dem Rottekörper und die Bakterien können sich sofort an die Arbeit machen. Schon kurze Zeit nach dieser Prozedur sind die Speisereste so stark verändert, dass kein Grosstier mehr daran Interesse hat. Fleischreste müssen gut zerkleinert, z.B. in kleine Würfelchen geschnitten werden und können dann ebenfalls in die oberste Zone des bestehenden Rottekörpers eingearbeitet werden. Je kleiner die Teile desto problemloser kann das Fleisch von den nützlichen Bakterien verdaut werden. Grundsätzlich aber gilt: besser selber essen statt kompostieren. Geht man aber mit diesen etwas heikleren organischen Reststoffen richtig um und "schmeisst" sie nicht einfach auf den Kompost, ist erfahrungsgemäss nicht mit negativen Begleiterscheinungen (Ungeziefer, Gestank, Ratten etc.) zu rechnen.
3) Speisereste enthalten in der Regel Kochsalz, das sich im Kompost, wenn sie zu häufig oder in grösseren Mengen anfallen, anreichern kann.
Wird das Fertigprodukt Kompost allein im Garten, d.h. auf dem Boden angewendet, gehen davon kaum Komplikationen aus, weil Kochsalz leicht löslich ist und bald aus dem Wurzelraum verschwindet (ausgewaschen wird). Bei Topf- und Pflanzkistenkulturen kann das Kochsalz allerdings zu Wachstumsstörungen führen, weil es hier länger vorhanden ist. Diese Einschränkungen gelten aber nur, wenn häufig oder grössere Mengen salzhaltige Speisereste kompostiert werden.
Ich kompostiere in meinem Hausgarten seit Jahrzehnten sämtliche aus dem Lebendigen stammenden Reststoffe, sowohl aus dem Garten wie aus dem Haushalt und habe noch nie die geringsten Probleme damit gehabt.
Aber eben: kompostieren, nicht deponieren oder entsorgen.
Ich hoffe, mit diesen Erläuterungen etwas Licht ins Dunkle getragen zu haben.
Mit freundlichem Gruss
Hans Balmer
Beratung für Humuspflege und Kompostierung micropower@vtxmail.ch |