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Asseln

10.05.2005 | Lebewesen beim Kompost

Hilfe, ich brauche Hilfe!
Ich habe in meinem kleinen Garten ein etwa 9 m2 grosses Blumenbeet,
daneben
ist mein Kompostplatz, dazwischen ein Plattenweg.
Seit diesem Frühjahr sind meine Stiefmütterchenblüten immer
angefressen und
auch die Pflanzen werden immer jämmerlicher, jetzt sind es auch die
Bellis,
die leiden. Zuerst verdächtigte ich die Schnecken, dann die Vögel,
jetzt
sind es die Asseln, die sich beinahe centimeterdick um die Wurzeln
wusseln.
Im Internet erzählen sie ein Loblied über diese "Eselchen", wie
tüchtig sie
die Erde lockern, weiter kompostieren würden, so segensreich seien wie
Regenwürmer. Mit Weingeist aromatisierten Flaschen oder ausgelegten
und
ausgehöhlten Kartoffeln könne man sie locken und dann entsorgen..
Meine Frage: Hat das etwas mit meinem Kompost zu tun? Mit dem
ausgetragenem
Material oder mit der Lokalisation des Platzes? Oder war es die
feuchte
Witterung?
Ich danke Ihnen schon jetzt ganz herzlich für Ihre weiterführenden
Gedanken
und hilfreichem Wissen, damit ich mich an meinen farbigen Blumen
erfreuen
kann!! und die grauen Helferchen am richtigen Ort weiss.
Herzliche Grüsse Gabriela Rieber


Sehr geehrte Frau Rieber
Es ist schwierig, Ihr Asselproblem aus der Ferne richtig zu
beurteilen. Zum einen, weil Assel nicht gleich Assel ist; es gibt
davon in unseren Gegenden über ein Dutzend Arten, zum andern, weil bei
einer Massenvermehrung, wie Sie sie jetzt beobachten, die näheren
Umstände in Betracht gezogen werden müssen. In der Regel tun sich
Asseln nicht an jungem Grün gütlich, gehören sie doch zu den typischen
Streubewohnern, wo sie sich von abgestorbenem Material (Blätter,
Holzreste, Mulchmaterial) ernähren.

Aus der Praxis der Kompostberatung ist bekannt, dass ein schlecht
betreuter Kompost oft ein Herd für beinahe ungezügelte Vermehrung von
Asseln ist.Obwohl Asseln eigentlich von einem gleichmässig feuchten
Lebensraum abhängig sind (es sind ja an Land lebende Krebstiere), ist
immer wieder zu beobachten, dass in trockenen Randbereichen eines
Komposts oder in Trockennestern eines Rottekörpers Asseln in sehr
grosser Zahl und in allen Entwicklungsstadien anzutreffen sind. Bei
Komposten die sorgfältig betreut werden, auch hinsichtlich
Feuchthalten des Rottematerials, konnte ich noch nie eine
Massenvermehrung von Asseln beobachten. Sie sind zwar da, aber es sind
niemals auffallend viele.

Wird ein "verasselter" Kompost in Ruhe gelassen, bleiben offenbar auch
die Asseln wo sie sind; wird er aber umgesetzt und dabei sachgerecht
befeuchtet, oder wird er augesiebt, dann werden die Tiere zur
Emigration gezwungen und können an unseren Kulturen unter Umständen zu
Schädlingen werden, sei es weil sie nicht genügend anderes, ihnen
zusagendes Futter finden, sei es aus anderen, weitgehend unbekannten
Gründen.

Ob das Asselproblem in Ihrem Fall etwas mit Ihrem Kompost zu tun hat,
finden heraus wenn Sie sich überlegen, ob:
- der Kompost durchgehend die richtige Feuchtigkeit (wie ein
ausgedrückter Schwamm) hat,
- Sie beim Ausbringen des Komposts auch viele Asseln mit
"verfrachteten",
- Ihnen, falls Sie den Kompost aussiebten, die Asseln, was deren
Anzahl betrifft, speziell auffielen.

Oft ist es auch hilfreich, wenn man den Asseln, die beim Abbau der
toten organischen Substanz ja eine wichtige Rolle spielen, speziell
einen Lebensraum aus Totholz (dürre Äste und Zweige, vermischt mit
Herbstlaub) schafft. Wählen Sie dazu eine Ecke Ihres Gartens aus, die
Sie nie oder selten betreten. Dieses Refugium werden auch andere
Kleintiere gerne benutzen, unter Umständen sogar als Speisekammer, wo
sie immer
eine gedeckten Tisch vorfinden können. So stellt sich von selbst ein
Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen ein.

Manchmal ist ein guter Rat auch: Ruhe und Geduld bewahren. So manches
reguliert sich in der Natur von selbst, wenn auch nicht mit dieser
Blitzartigkeit, die wir aus lauter Ungeduld erwarten möchten. Das
Massenauftreten eines Organismus ist in der Regel immer ein Zeichen
von gestörtem Gleichgewicht, ein Gleichgewicht, das nicht starr und
statisch, sondern immer am Hin- und Herfluten ist.

Wenn Sie um Ihre ganze Ernte fürchten, könne Sie durchaus zum Trick
mit der Weingeist-Flasche und/oder ausgehöhlten Kartoffeln greifen.
Wobei Sie dann allerdings nur Symptome beseitigt, das Problem aber
nicht an der Wurzel gelöst haben.

Mit dem Wunsch, Ihr Gartenjahr möge trotz allem schön und erfolgreich
sein, grüsst Sie freundlich

Hans Balmer

Moos

02.05.2005 | Kompostieranleitungen

Beim Vertikutieren habe ich, da der Rasen sehr stark verfilzt und
vermosst war, eine beträchtliche Menge Moos erhalten, welche in etwa der
Jahresmenge an insgesamt anfallendem Material entspricht. Dieses habe ich nunmehr
zu einem flachen Haufen geschichtet, in der Absicht, es nach und nach dem
Kompost beizumengen (mit Rasenschnitt, Häcksel und Küchenabfällen
vermischt). Ist dies eine Möglichkeit der Verwertung von diesem Material oder
sollte ich eine andere Möglichkeit wählen?


Das machen Sie genau richtig mit dem vertikutierten Material.
Weil Moos sehr stickstoffarm ist verrottet es kaum von allein; als
Komponente einer bunt gemischten Rottemasse, wie Sie sie erwähnen,
macht es aber keine Probleme. Achten Sie auf andauernd richtige
Feuchtigkeit des Rottekörpers, auch in den Randbereichen; Moos kann
viel Wasser aufnehmen, bevor es richtig durchfeuchtet ist.

Branntkalk - Düngekalk

02.05.2005 | Kompostieranleitungen

Anläßlich des Erwerbes eines Eigenheimes mit größerem Garten begann
ich im
Juni des Vorjahres mit der Kompostierung der Gartenabfälle
(Rasenschnitt,
Strauchhäcksel) als auch der Küchenabfälle. Dabei habe ich Ihren
Ausführungen sehr viele nützliche Informationen (bezüglich Mischung
etc.)
entnehmen können. Im Herbst habe ich den Komposthaufen einmal komplett
umgesetzt und nun nochmals im Frühjahr dieses Jahres. Dabei wollte ich
dem
Kompost - wie ich es bei Nachbarn beobachten konnte - etwas Stein- und
Kalkmehl beifügen. Allerdings wurde mir im landwirtschaftlichen
Fachhandel
statt Düngekalk Branntkalk, das heißt gebrannter und gelöschter Kalk,
verkauft. Diesen Irrtum habe ich erst bemerkt, nachdem ich diesen
bereits
unter den Kompost gemischt hatte.
Schadet dies nun dem Kompost bzw. ist er überhaupt noch zu gebrauchen?


Sehr geehrter Herr Krassnitzer

Grundsätzlich: kohlensaurer Kalk (CaCO3 = Calziumkarbonat),
landläufig Kalkstein genannt, ist ein langsam wirkender,
Löschkalk (CaOH = Calziumhydroxid) ein schnell wirkender "Dünger".
Was den Boden betrifft, verbessern ihn alle Kalkdünger; Kalk wirkt
günstig auf die Ausbildung der Krümelstruktur, macht Nährstoffe frei,
zuerst die in der organischen Substanz eingeschlossenen und dann auch
die mineralischen Nährstoffe des Bodens selbst (frei zitiert nach
Hennig: Das Geheimnis der fruchtbaren Böden; OLV Nettersheim;1994).
Kalk wirkt der Versauerung des Bodens entgegen; seit längerer Zeit
eine erhebliche Gefahr durch sauren Regen.

Beim Kompostieren sollte aber wegen seiner schnellen Wirkung auf
Brannt-, bzw. Löschkalk verzichtet werden - mindesten während der
Abbauphase, weil dann infolge des hohen pH-Wertes, ein grosser Teil
des, aus dem Eiweissabbau gebildete Ammoniums (NH4+) fortwährend in
Ammoniak (NH3) übergeht, das den Kompost gasförmig verlässt. Abgesehen
davon, dass Ammoniak ein Umweltgift ist, sollten wir ja danach
trachten, möglichst keinen biologisch wirksamen Stickstoff aus dem
Kompost zu verlieren.

In einem späteren Rottestadium, wenn die Um- und Aufbauvorgänge schon
weitgehend abgeschlossen sind, der Stickstoff weitgehend in den Humus
eingebaut ist, kann sich der eben geschilderte "Kalkeffekt" nicht mehr
so drastisch auswirken. Sie dürfen also davon ausgehen, dass Ihr
"Irrtum mit dem Löschkkalk" Ihren Kompost sicher nicht unbrauchbar
macht. Wenn Sie auch künftig Kalk verwenden wollen, seien Sie eher
zurückhaltend, da Sie ja nicht speziell sauer reagierende Materialien
(Laubarten, Nadelstreu, Rinden aller Art, Kaffeesatz, Trester) zu
kompostieren haben, und verwenden Sie dann das kohlensaure Kalkmehl;
dieses etwa in der Menge von 3- 4 kg pro Kubikmeter Rottemasse.
Vielfach wird empfohlen, Algenkalk zu verwenden, weil darin neben
Calziumcarbonat noch andere Mineralien und wichtige Spurenelemente
enthalten sind. Die Frage ist, ob es ökologisch sinnvoll ist, die von
den Meerestränden dieser Welt stammenden Stoffe zu uns ins Binnenland
zu transportieren. Ein mehr oder weniger heimisches Urgesteinsmehl
erfüllt den Zweck bestimmt ebenso gut. Eine Entscheidung, die ich
natürlich Ihnen überlassen muss. Wichtig bei diesen mineralischen
Kompostzusätzen ist, dass sie wirklich mehlfein zu Staub vermahlen
sind, um auf der zellulären, mikrobiellen Eben wirksam zu werden.

Hülsen und Sprossen

25.04.2005 | Düngung

In einem Sprossenatelier fallen pro Woche ca. 70 Liter Reststoffe aus Hülsen und Sprossen an. Was sollte beim Kompostieren dieses Materials besonders beachtet werden. Hast Du damit Erfahrung? Für
Deinen Rat danke ich Dir im voraus.


Liebe Ruth
Zwar teilst Du mir nicht mit, um welche Hülsen und Sprossen es sich
genau handelt, aber ich würde auf jeden Fall so vorgehen:
1) Die tägliche Ration Hülsen und Sprossen in einer Holzkiste oder
einem stabilen Eimer mit einem geschärften Spaten zerstampfen, damit
möglichst viele "offene Wunden" für den Angriff der Mikroorganismen
entstehen.
2) Das Grüngut mit der gleichen Menge Häckselgut mit Hilfe der
Kompostgabel intensiv vermischen und, wenn vorhanden, vorher noch mit
ca. einer halben Handvoll Urgesteinsmehl überstäuben.
3) Gemisch auf richtige Feuchtigkeit hin überprüfen, wenn nötig
vorsichtig überbrausen und nochmals mischen. Sollte das Gemisch zu
feucht (nass) sein, mehr trockenes Häckselgut daruntermischen, bis die
Feuchtigkeit stimmt (Faustprobe).
4) Mit dem Gemisch fortlaufend einen Komposter beschicken, z.B.
herkömmliches Drahtsilo, das für die Kompostierung entsprechend
vorbereitet wurde. Vor jeder Neubeschickung vorhandene Rottemasse mit
der Gabel lockern, sodass das neue Material sofort in engen Kontakt
mit dem bereits Rottenden kommt.
5) Da sich der Rottekörper sehr wahrscheinlich stark erhitzt,
sorgfältig darauf achten, dass die Feuchtigkeit immer optimal ist. Bei
Bedarf Nachfeuchten (sorgfältig überbrausen und Wasser durch Mischen
mit der Gabel in der obersten Zone in der Rottemasse verteilen).
6) Dafür sorgen, dass der Komposter, gleich welcher Bauart, stets
zugedeckt ist (Licht und Regenschutz).

Du siehst, es gelten immer dieselben Regeln: "zerkleinern - mischen -
feucht halten und immer zudecken".

Wenn Du magst, kann ich ja Deinen Sprossen-Hülsen-Kompost gelegentlich
mal vor Ort besichtigen; er wird ja nicht allzu weit von meinem
Domizil entfernt sein.

Herzliche Grüsse und Gut Kompost
Hans Balmer

Steinmehl und Gesundheit

05.04.2005 | Hilfsmittel und Zusätze

Eine meiner Quartierkompostbetreuerinnen erklärte mir, dass sie kein Steinmehl einsetze, da sie Bedenken habe, dass sich der feine Staub in der Lunge ansammle und sie gesundheitliche Schäden riskiere. Was meinen Sie dazu?

Vielen Dank für Ihre Bemühungen
Freundliche Grüsse


Sehr geehrte Frau Diethelm

Gesteinsstäube, die Atemwege und Lungen schädigen können, sind meines
Wissens nur von jenen bekannt, die Quarzmehl bzw. -staub enthalten
(Granite, Gneise); sie können die gefürchtete Silikose (Staublunge)
verursachen, die in erster Linie bei Bergleuten und bei
edelsteinschleifenden Personen auftritt, wenn keine
arbeitsplatzhygienischen Massnahmen getroffen werden. Solche
ungeschützten Personen atmen allerdings berufsbedingt andauernd
Gesteinsstäube ein, was auf die Dauer, hinsichtlich des
Quarzfeinstaubes gesundheitsschädlich ist. Ich bin überzeugt, dass
dies kein Grund ist, auf die segensreiche Anwendung von Urgesteinsmehl
beim Kompostieren zu verzichten.

1) Bei sachgemässer Anwendung des Steinmehls entsteht wenig bis gar
kein Staub, nämlich dann, wenn die Rottemasse, über die das Steinmehl
gestreut wird, feucht ist. Sobald das Steinmehl mit Wasser in
Berührung kommt, haftet es an der Oberfläche aller feuchten
Bestandteile und kann keinen Staub mehr entwickeln. Ausserdem kann man
das Steinmehl so streuen, dass nicht "die Hälfte davon in alle Winde
verweht wird", also möglichst nahe an die Rottemasse herangehen beim
Streuen. Beim Beachten dieser einfachen Vorsichtsmassnahmen sehe ich
keinerlei Gefahr und keinen Grund auf das Steinmehl zu verzichten.

2) Es gibt ein Urgesteinsmehl von sehr hoher Qualität, das keinen
Quarzstaub enthält, weil das Gestein, aus dem es gewonnen wird,
quarzfrei ist und dennoch einen sehr hohen Siliciumanteil hat. Dieses
Steinmehl hat den Handelsnamen Vulkamin und stammt aus dem
Phonolith-Steinbruch in Bötzingen am Kaiserstuhl bei Freiburg i.Br.
Interessant ist, dass die Arbeiter im Steinbruch keine speziellen
Atemschutzvorkehrungen treffen müssen - und das nicht etwa, weil man
solche Massnahmen einfach missachten würde, sondern weil sie nicht
nötig sind. Das Phonolithsteinmehl Vulkamin hat noch eine ganze Reihe
weiterer Vorzüge, die den meisten anderen Urgesteinsmehlen abgehen. In
Basel verwenden wir seit vielen Jahren bei sämtlichen dezentralen
Kompoststellen (über 2000!), auf der zentralen Kompostanlage der
Stadtgärtnerei und zunehmend auch in den Familiengärten
ausschliesslich dieses Vulkamin-Steinmehl. Wir wissen von keinem
einzigen Fall, dass gesundheitliche Probleme aufgetreten wären.

3) In Quartsstäuben ist nur jener Anteil gesundheitsschädlich, der
alveolengängig , d.h fein genug ist, um bis in die Lungenbläschen
vorzudringen und sich dort abzulagern. Das ist, je nach Mahlfeinheit,
meistens nur ein geringer Prozentsatz des Gesamtstaubes.

Weshalb soll denn eigentlich Urgesteinsmehl beim Kompostieren
verwendet werden? Oft hört man als erste, spontane Antwort: um
Geruchsentwicklung einzudämmen. Bei sachtrechtem Kompostieren
entstehen aber gar keine üblen Gerüche und wenn alles falsch läuft,
hilft Steinmehl auch nicht mehr - höchstens zur Beruhigung des
Gewissens. Steinmehl ist kein "Desodorant" sondern Lieferant wichtiger
Mineralien und Spurenelemente, a) für die Lebensprozesse im Kompost
und b) für den Wurzelraum, in den der Kompost früher oder später
gelangt. Weil das organische Material, das wir kompostieren
hinsichtlich Zusammensetzung an Mineralien und Spurenelementen niemals
die Verhältnisse eines lebendigen, fruchtbaren Bodens widerspiegeln,
am Rotteprozess aber ausschliesslich Bodenorganismen beteiligt sind,
ergänzen wir als verantwortungsbewusste Kompostbereiterinnen das
organische Material mit feinstgemahlenem Urgestein, damit der
Lebensraum Kompost alles und alles gut verfügbar enthält, was zum
Gedeihen der Rotteorganismen nötig ist. Es kann z.B. kein Vitamin B12
(Cobalamin) durch mikrobielle Tätigkeit gebildet werden, wenn das
Spurenelement Cobalt in der Rottemasse nicht vorhanden ist. Cobalamin
ist aber ein wichtiges Vitamin, das die Pflanze im Wurzelraum
vorfinden muss, um ihr Immunsystem zu stärken und sich gesund
entwickeln zu können. Vulkamin nota bene enthält garantiert neben
vielen anderen auch dieses Spurenelement. Betrachten wir das
Naturganze, dann wenden wir auch Steinmehl nicht einfach blindlings,
sonder gezielt und wohl dosiert an.

Ich hoffe, Ihnen ein paar Argumente geliefert zu haben, um die Ängste
Ihrer Quartierkompostbetreuerin zu zerstreuen.

Mit freundlichem Gruss
Hans Balmer, Berater für
Humuspflege und Kompostierung

Zitronenschalen

22.03.2005 | kompostierbar - oder nicht

Sehr geehrter Herr Balmer
In Ihrer Antwort an Herrn Schneiter vom 23.11.2004 schreiben Sie, dass
Schalen von Zitrusfrüchten problemlos kompostiert werden können - was
ich bisher auch gemacht habe. Nun bin ich verunsichert: auf der Seite www.bio-gaertner.de Kompostbereitung bin ich auf folgenden Eintrag gestossen, Seite 3 unten: Reste: ... und Zitrusschalen gehören nicht auf den Komposthaufen. Es besteht sonst die Gefahr, dass sich der giftgrüne Schimmelpilz ASPERGILLUS FLAVUS bildet, der als krebserregend gilt.???
Was ist Ihre Meinung dazu?


Sehr geehrter Herr Kaffenberger
Das Problem ist nicht die Zitrusschale oder der A. flavus sondern die
Begriffsverwirrung im Zusammenhang mit Kompost und
Kompostierung.Versteht man unter Kompostieren einen, VOM MENSCHEN
GELENKTEN Prozess zusammenhängender Abbau und Umbauvorgänge der
organischen Substanz unter dauerndem Luftzutritt und ausreichender
Feuchtigkeit der Rottemasse, dann können sich auf den ordentlich
zerkleinerten Zitrusschalen gar keine schädlichen Schimmelpilze
entwickeln, weil die abbauenden Mikroorganismen schneller sind und
ausserdem Antagonisten (Gegenspieler) gegen die "Schädlichen" die
Oberhand gewinnen Hier liegt nun eben "der Hund begraben": landauf,
landab wird unter Kompostieren immer noch das Aufhäufen oder blosse
Deponieren organischer "Abfälle" verstanden. Wer wendet sich schon mit
echtem Interesse seinem Kompost zu? Wem ist schon daran gelegen, aus
den organischen Reststoffen aus Küche, Haushalt und Garten das
allerbeste, nämlich einen wohltuenden Kompost zu bereiten? Viele,
Allzuviele werfen buchstäblich ihren Abfall auf den "Kompost" und
meinen, die Natur werde es dann schon richten. Ein verhängnisvoller
Irrtum. Kompostieren ist mit einem Minimum an Kenntnissen, mit
Zuwendung und halt auch mit Arbeit verbunden (zerkleinern - mischen -
feucht halten und immer zudecken). Betreibt man mit der Kompostierung
nicht Abfallverwertung (die Natur kennt keine Abfälle!) sondern
Nahrungszubereitung, dann sind fast alle Bedenken, die im Zusammenhang
mit Kompost und Kompostierung immer wieder die Runde machen,
gegenstandslos. Wenn ich darum besorgt bin, in meinem Kompost
andauernd ein, für die aeroben humusbildenden Mikroben förderliches
Milieu herzustellen, ist das Zielerreichbar, alle von Lebewesen
hergestellten Stoffe (selbst Kochen, wenn sie gemahlen sind) über die
Kompostierung zum Wohl des Bodens, der Pflanzen und schliesslich des
Menschen ins Erdreich zu integrieren . Gebt dem Aspergillus flavus
durch sachgerechtes Kompostieren keine Chance!

Pferdemist/Stroh

22.03.2005 | Kompostbehälter

Liebe Kompostberater!
Wir haben 2 ponies und dementsprechend pferdemist + stroh auf unserem
komposthaufen - irgendetwas funktioniert aber nicht: im inneren d.
haufens,
ist das stroh/mist ganz weiß (wie verkohlt) was ist falsch? wie lange
muß
der mist liegen, dass wir ihn als dünger einsetzen können?
mfg ines


Sehr geehrte Frau Braumüller
Was Sie jetzt tun ist nicht Kompostieren, sondern Mist und Stroh
einfach aufhäufen. Wenn die Masse gross genug ist, beginnt sie sich
infolge der mikrobiellen Abbautätigkeit zu erhitzen. Anfänglich finden
die Bakterien noch günstige Lebensbedingungen vor und vermehren sich
dementsprechend. Dabei wird viel Wasser gebraucht, weil die Bakterien
nach der Zellteilung heranwachsen und dabei Zellsubstanz aufbauen und
Wasser einlagern müssen. Ausserdem verliert der "Misthaufen" viel
Wasser durch Verdampfen. Es kommt der Moment, wo es für die Bakterien
zu trocken wird, dann wenn der Wassergehalt der Rottemasse unter 60%
sinkt. Es schlägt nun die Stunde der Pilze, die mit weit weniger
Feuchtigkeit auskommen aber längst nicht so gute Humusbildner sind wie
die Bakterien und Aktinomyceten. Die Rottemasse wird grau (aschgrau
bis weisslich-grau) was auf die Farbe der Pilzfäden und ihrer Sporen
zurückzuführen ist.

Kurz gesagt: wenn Sie das alles vermeiden und den Pferdemist
kompostieren wollen, legen Sie am besten eine längliche Kompostmiete
an, indem Sie den frischen Mist am einen Ende aufschütten. Nach etwa
einer Woche beginnen sie am anderen Ende mit Umsetzen, indem Sie alles
mit der Gabel tüchtig durchschütteln und gleichzeitig befeuchten
(Brause verwenden); die Rottemasse muss feucht sein wie ein
ausgedrückter Schwamm (Faustprobe) und einen feuchten Glanz aufweisen.
Falls sich Klumpen gebildet haben, zerschlagen Sie diese mit dem
Gabelrücken. Schütten Sie das Material locker auf; achten Sie darauf,
dass die Miete nicht zu steil aber auch nicht zu flach wird. Arbeiten
Sie sich so bis zum Ende der Miete durch. Schütten Sie nun den neuen
Mist an jenes Ende der Miete, wo Sie mit Umsetzen begonnen haben.
Wiederholen Sie den eben geschilderten Vorgang alle 10-14 Tage und
vergewissern sie sich jedesmal, dass die Rottemasse so feucht ist wie
ein ausgedrückter Schwamm (Faustprobe). Sie können dann auch
feststellen, dass der Kompost von Mal zu Mal dunkler und krümeliger
wird. Decken Sie die Kompostmiete immer zu mit altem Laub, Heu, Stroh
oder noch besser mit einem eigens dafür geschaffenen Kompostvlies ( im
Fachhandel unter TopTex erhältlich). Nach fünf bis sechs Wochen
beginnen Sie eine neue Miete und setzten die erste noch gelegentlich
um. Wenn Sie mit dem richtigen Engagement an die Sache herangehen,
werden Sie in sieben bis acht Wochen einen nach frischer Erde
duftenden krümeligen Kompost haben, den Sie nun universell verwenden
können. Wenn Sie an einem Qualitätskompost interessiert sind, können
Sie pro Kubikmeter Frischmist etwa 4 kg Urgesteinsmehl mit
kompostieren. So werden die Kompostorganismen und schliesslich der
Kompost mit wertvollen Mineralien und Mikronährstoffen
(Spurenelementen) versorgt.

Wenn Sie sich die Arbeit ersparen und auf sachgerechtes Kompostieren
verzichten wollen, überlassen Sie den Misthaufen den Launen der Natur
und des Wetters und werden nach drei-vier Jahren einen sogenannten
vererdeten Mist vorfinden. Sie können dieses Produkt zwar aufs Land
verteilen aber es ist selbstverständlich hinsichtlich Qualität für
Boden und Pflanzen und schliesslich für Ihre Tiere, die sich von
diesen Pflanzen ernähren in keiner Weise vergleichbar mit einem
sorgfältig zubereiteten Mistkompost.

Ich kann Ihnen nur empfehlen, den Kompost etwa mit der gleichen
Sorgfalt zu pflegen wie Ihre Tiere, denn er ist ebenso Bestandteil des
Naturganzen wie diese und die Umwelt in der Sie mit ihnen leben.

Zelluloseabbau

01.03.2005 | Lebewesen beim Kompost

Welche Bakterien und Pilze sind am
Celluloseabbau im Wald beteiligt und welche Eigenschaften haben sie?
Desweiteren habe ich noch keine Auskunft darüber gefunden, wie genau die
einzelnen Schritte des Celluloseabbaus von statten gehen.Ich wäre ihnen sehr
dankbar, wenn Sie mir weiterhelfen könnten!

Mit freundlichen Grüßen
Annika Palmer


Ich will versuchen, Ihnen einwenig weiter zu helfen.
Zellulose ist die häufigste und am weitesten verbreitete Substanz in
der Biosphäre. Zellulose wird überwiegend durch die grünen Pflanzen
durch Polymerisation aus dem Grundstoff Glucose in zahlreichen, durch
Enzyme katalysierte Schritte aufgebaut. Zellulose ist also ein Polymer
und weil dieses halbkristallinen Charakter hat, wird sein Abbau zu
einem beträchtlichen Problem, das aber von einer Vielzahl von aeroben
und auch anaeroben cellulolytischen (zellulosespaltenden)
Mikroorganismen (Bakterien und Pilze) gelöst wird.

Tiere, die pflanzliches Material verzehren, sind stets auf die
Anwesenheit von Mikroorganismen im Verdauungstrakt angewiesen, damit
die Zellulose verdaut oder soweit aufgelöst werden kann, dass der
Zellinhalt der Nahrung für den Organismus zugänglich wird. Das gilt
auch für den Menschen.

Der Abbau der Zellulose in der abgestorbenen Biomasse (Streuschicht)
ist selten ein isolierter Vorgang, sondern Teil eines gemeinsamen
Angriffs auf das komplexe System pflanzlicher Gewebe, das aus
Zellulose, Lignin und Hemizellulose besteht. Die meisten
cellulolytischen Mikroorganismen produzieren eine ganze Reihe von
"Cellulasen" genannten Enzymen, deren Gesamtwirkung man auch als
Hydrolyse bezeichnet. Eines der Ergebnisse dieses enzymatischen
Angriffs ist die Aufspaltung der halbkristallinen Zellulose und ihre
Überführung in einen löslichen Zustand. Das weitere Geschen ist sehr
komplex und es würde zu weit führen, dies hier darzustellen. Ich
schicke Ihnen mit separater Mail ein Dokument, in dem Sie auch eine
Zusammenstellung der häufigsten Arten zellulolytischer Mikroorganismen
finden. Das Dokument ist in englischer Sprache, aber das dürfte für
Sie vermutlich kein Problem sein.

Hundehaare

01.03.2005 | Kompostieranleitungen

Gehören hundehaare auf einen hauskompost(ganze knäuel)?
müssen ganze kartoffel,sellerieknollen etc.zerkleinert werden?


Sehr geehrter Herr Sommer
Grundsätzlich gilt: alles was von Lebewesen produziert wird, kann von
den Kleinsten unter ihnen, den Mikroorganismen, durch Humusbildung so
aufbereitet werden, dass diese Produkte des Lebendigen in den
Kreislauf der organischen Substanz integriert werden. Dazu gehören
selbstverständlich auch Haare jeglicher Herkunft. Sie wissen
wahrscheinlich, dass Hornspäne und Hornmehl als organische Düngemittel
(Stickstofflieferant) oder als Rottehilfe bei zu kohlenstoffreichem
Material, z.B. Laub, eingesetzt werden. Haare sind genau so eine
Bildung der (Horn-)haut wie Hufe, Nägel und Hörner. Wenn Sie mögen,
zerzupfen Sie die Hundehaarknäuel zu mehr oder weniger grossen
Flocken, damit sich das Material besser in der Gesamtmasse verteilen
lässt. Bei richtiger Feuchte der Rottemasse (wie ein ausgedrückter
Schwamm) und genügend Luftzutritt (Vermischen mit Strukturmaterial =
Häckselgut) werden die Haare rasch von Mikroorganismen (Bakterien,
Pilze) besiedelt, abgebaut und in Humussubstanz ungewandelt.

Zu den Kartoffeln und Sellerieknollen. Da es im Kompost keine Tiere
mit Zähnen gibt und diejenigen die zwar beissen und schlucken können
sehr klein sind, können Sie sich gut vorstellen, dass das Verzehren
auch einer kleinen Kartoffel "ewig" dauern würde, ja die Kartoffel
beginnt wahrscheinlich noch zu keimen, ehe sie verzehrt ist. Hinzu
kommt, dass diese Tiere - alle Tiere!- ja bloss Kot und keinen Humus
produzieren
können; das können allein die bodenbewohnenden, aeroben
Mikroorganismen. Ausserdem ist die Kartoffel ja nicht entstanden mit
dem Ziel, Humus zu werden, sondern 1.) um eine (oder mehrere) neue
Pflanzen zu bilden und 2.) gewissen Lebewesen, auf deren Speiseplan
die Kartoffel steht, als Nahrung zu dienen. Das gilt nun generell für
alle "Früchte", die die Natur uns und den Tieren zur Verfügung stellt.
Nach dem Abbeissen, Kauen und Schlucken, steht die Nahrung aber noch
längst nicht zur Verfügung; sie muss zuerst verdaut, d.h. mit Hilfe
von Verdauungssäften (Enzymen) in jene Bruchstücke (Bio-Moleküle)
zerlegt werden, die dann dem Bau- und Energiestoffwechsel des
betreffenden Organismus dienlich sind. Je kleiner nun die
Nahrungsbrocken , desto effizienter die Angriffs- und Auflöstätigkeit
der Enzyme, die teils vom Organismus selbst, teils von lebenswichtigen
Mikroorganismen im Verdauungstrakt stammen. "Gut gekaut ist halb
verdaut" ist deshalb ein Bonmot, in dem viel Wahres steckt.

Jetzt machen wir einen Gedankensprung zum Super-Organismus Planet
Erde. Er ernährt sich von dem was seinen Lebenszweck erfüllt hat und
abgestorben ist, von dem was wir Menschen uns angewöhnt haben
respektlos als "Abfall" zu bezeichnen. Auch der Superorganismus muss
seine Nahrung zuerst verdauen und dies geschieht einzig und allein mit
Hilfe von Mikroorganismen. Verdauung, die Nutzbarmachung der Nahrung
jeglicher Herkunft ist immer und global ein Geschehen auf zellulärer
Ebene. Da wir mit der Kompostierung nachahmen, was in der lebendigen
Natur schon immer geschieht, wird auch verständlich, weshalb alles was
wir dem Kompost als Futter vorlegen, so klein wie möglich sein soll.
Auch deshalb, weil die Mikroben an offnen Wunden viel effizienter
angreifen können als an den Schutz- und Abwehrschichten, mit denen
sich alle Lebewesen gegen mikrobiellen Angriff schützen müssen.

Und damit die humusbildenden (aeroben) Mikroorganismen stets optimale
Lebensbedingungen vorfinden, sorgen wir für angemessene Feuchtigkeit
(nicht Nässe!) und genügend Sauerstoff durch Beimischen von
Strukturmaterial (Häckselgut von Baum und Strauch), mit dem wir ein
grosses luftgefülltes Porenvolumen schaffen. "Zerkleinern - mischen -
feucht halten und immer zudecken" sind die Regeln erfolgreichen
Kompostierens, die ohne weiteres verständlich werden, wenn man sich
einwenig in die Gesetzlichkeiten des Lebendigen vertieft.

Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, wenn ich als Antwort auf Ihre
einfache Frage so weit ausholte, weil mir ganz wichtig scheint, dass
die Menschen begreifen, weshalb das blosse Aufhäufen von
kompostierbaren "Abfällen" eine Missachtung von Lebensgetzlichkeiten
ist, denen das Werden und Gedeihen eines Organismus genau so
unterworfen ist wie seine Rückführung in den Kreislauf des Lebendigen
am Ende seiner Zeit.

Mit freundlichem Gruss
Hans Balmer

Plastiksäcke

21.02.2005 | kompostierbar - oder nicht

Die Leute an der Talackerstr. 42 in Frauenfeld sammeln ihr Kompostierbares aus der Küche in einem Plastiksack. Wenn dieser voll ist, schmeissen sie ihn in den Container, der für die Grünabfuhr bestimmt ist. Ich habe sie höflich darauf aummerksam gemacht, das Plastik nichts im Grüncontainer zu suchen habe. Die Leute erklärten mir dann, dass die verwendeten Säcke aus zersetzbarem Plastik und "perishable" seien. - Wer hat recht?

Danke für Ihre Bemühungen und
freundliche Grüsse
Gerhard Heimberg


Grüezi Herr Heimberg

Es gibt tatsächlich Kompostbeutel für die Grüngutsammlung, die aussehen wie
Plastiksäckli jedoch aus kompostierbarem Werkstoff sind. Die Produkte aus
bioabbaubaren (d.h. Auch kompostierbaren) Werkstoffen (kurz BAW) erkennt man
am vollflächigen weissen Gitterdruck und dem Kompostierbarkeits-Zertifikat
'kompostierbar nach DINV540900'. Diese Kompostbeutel, welche bei allen
Grossverteilern gekauft werden können, eignen sich zum Auskleiden der
Kompostkesselis in der Küche, halten diese sauber und können zusammen mit
den gesammelten Grüngut der Grünabfuhr oder auf den eigenen Kompost gegeben
werden. Innert der üblichen Rottedauer verrotten die Kompostbeutel aus BAW.
Das Kompostforum hatte zu diesen neuen Produkten Ende der 90-iger Jahre
Praxistests durchgeführt und zusammen mit Behörden (BUWAL, Kantone), den
Produktanbietern und den Grossverteiler die Zertifizierung und Kennzeichnung
von BAW-Produkten fixiert. Die Migros verkauft heute sogar bereits
Bio-Rüebli in einem kompostierbaren Beutel. Weitere Infos zu BAW finden Sie
auf www.ibaw.org

Wenn Ihre Nachbarn also die tatsächlichen Kompostbeutel (mit weissem
Gitterdruck verwenden) sind die o.K. in der Grüngutsammlung, wenn sie
gewöhnliche Plastksäckli verwenden gehören die nicht ins Grüngut.

Beste Grüsse

René Estermann, dipl.Ing.Agr.ETH

Knoblauch

21.02.2005 | Kompostieranleitungen

Ich bin Schweizer und wohne seit 1.5 Jahren in Thailand. Erfolgreich kompostiere ich meine eigenen Abfaelle von Haus und Garten. Seit kurzem hat auch unser Dorf interesse gezeigt zu Kompostieren.
Dabei sehe ich folgendes Problem: Wir haben div. Firmen welche Knoblauch verarbeiten. Dabei fallen pro Tag ca. 3m3 Knoblauchschalen und Stiele an.
Jetzt meine Frage: Wie kann man diese am besten und schnellsten kompostieren ohne viel andere Bestandteile. Ich muss noch dazu sagen, dass diese im Moment jeden Tag verbrannt
werden, was eine grosse Rauch- und Gestanksbelastung fuers ganze Dorf ist. Fuer eine Stellungsnahme bin ich ihnen sehr dankbar. Kann mir natuerlich auch vorstellen, dass sie kein grosses Interesse haben mein Problem zu loesen. Darf ich trotzdem hoffen?

Freundliche Gruesse
A. Steiner


Sehr geehrter Herr Steiner
Sie wissen vermutlich schon, dass eine zügige und vor allem
ordentliche Verrottung dann zustande kommt, wenn nach den Regeln
"zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken" verfahren
wird. Auf das Zerkleinern können Sie in Ihrem speziellen Fall
verzichten, keinesfalls aber auf das mischen mit irgendeinem mehr
weniger holzigen Strukturmaterial, das hierzulande Häcksel- oder
Schreddergut genannt wird. Das Strukturmaterial sorgt für eine
ausreichende Porosität und damit für ausreichende Durchlüftung der
Rottemasse. Andernfalls hätten Sie sehr bald Fäulnis in Ihrem
"Knoblauchkompost", die etwa gleichviel Gestank erzeugen würde wie
jetzt beim Verbrennen. Zwar gibt es auch bei einer ordentlichen
Kompostierung in der ersten Phase, der Heissrotte, einen intensiven
Knoblauchgeruch, der aber weit weniger unangenehm ist als beim
Verfaulen oder Verbrennen; eher wie beim Kochen. Es ginge jetzt also
darum, in Ihrer Umgebung nach geeignetem Strukturmaterial Ausschau zu
halten; Häckselgut von Baum und Strauch wird ja wohl kaum vorhanden
sein, genau so wenig wie geeignete Maschinen, um solches herzustellen.
Vielleicht gibt es aber, im Zusammenhang mit anderen Nahrungsmittel
verarbeitenden Betrieben, irgend ein stengeliges, faseriges Material,
das die Funktion erfüllen könnte.Es muss einfach etwas organisches
sein, das weniger schnell verrottet als das Hauptmaterial
Knoblauch"abfälle". Im Verhältnis zu diesen müssten Sie etwa ein
Drittel, besser noch die Hälfte davon intensiv unter die
Knotblauchreste mischen, was Sie am besten mit einer sogenannten
Mistgabel erreichen, die wahrscheinlich auch in Thailand nicht völlig
unbekannt ist. Mischen sie beim ersten Mal auch etwa 10% Erde unter;
später können Sie dann halb verrotteten Kompost aus Ihrer "Produktion"
verwenden.

Falls es Ihnen gelingt, die Voraussetzungen zu schaffen (was ich Ihnen
sehr wünsche, weil die Idee des Recyclings die einzig richtige ist),
legen Sie mit der gemischten, gut angefeuchteten Rottemasse am besten
eine Kompostmiete (länglicher Komposthaufen) an. Wenn ich allerdings
auf die Menge blicke, die Sie nennen: 3 Kubikmeter = 3000 Liter pro
Tag, befürchte ich, dass Sie das nicht mehr allein schaffen können -
und das gilt es ebenfalls zu bedenken. Denn mit dem Anlegen der
Kompostmiete ist ja dann noch nicht getan; der Kompost muss periodisch
umgesetzt werden, um immer wieder ideale Rottebedingungen hinsichtlich
Struktur und Feuchtigkeit herzustellen; und weil unter tropischen
Verhältnissen alles viel rascher abläuft als hier in Mitteleuropa,
sollten Sie den Kompost in den ersten paar Wochen alle ca. 10 Tage
umsetzen. sie werden so auch viel schneller ein durchgerottetes
Produkt haben, das wieder gartenbaulich/landwirtschaftlich eingesetzt
werden kann.

Versuchen Sie ausserdem Ihre Komposthaufen gegen Vernässung und
Lichteinfall zu schützen (immer zudecken). Vielleicht haben Sie
Zugriff auf Palmblätter (oder anderes Laub), diese würden den Zweck
gut erfüllen und im Verlauf der Zeit ebenfalls in die Verrottung
eingehen.

Ich bin mir bewusst, dass eine Beratung aus der Ferne sehr
unbefriedigend ist (ich hatte leider noch nie Gelegenheit in
subtropischen oder tropischen Gegenden ein dem Ihren vergleichbares
Problem praktisch zu lösen). Eine elegante, wenn auch ganz anders
geartete Lösung wäre übrigens die Behandlung Ihres Materials mit EM
(Effektive Mikroorganismen) von Teruo Higa. Der Einsatz dieser
aussergewöhnlichen Mikroben ist gerade in Thailand in Landwirtschaft
und Gartenbau weit verbreitet. Schauen sie mal nach unter
http://www.emrousa.com

Es bleibt mir noch, Ihnen vollen Erfolg bei Ihrem Unternehmen zu
wünschen, das von Ihnen viel Arbeitseinsatz und Kreativität erfordern
wird. die Erde und die Menschen werden's Ihnen danken.

Kartoffeln

01.02.2005 | kompostierbar - oder nicht

ich habe gelesen, dass kartoffelschalen und rohe kartoffeln nicht in den kompost gehören. stimmt das und wenn ja warum?


Sehr geehrte Frau Bachmann
Mal sind es rohe Kartoffeln und/oder -schalen, mal gekochte, die nicht
in den Kompost gehören. Ich weiss beim besten Willen nicht, woher
jemand solche "Empfehlungen" hernimmt und womit sie zu begründen
wären. Das Ziel der Kompostierung ist, sämtliche Stoffe, die aus dem
Lebendigen stammen, auch organische Substanz genannt, über die
gezielte Verrottung wieder dem Erdreich zuzuführen und so den
Kreislauf der organischen Substanz zu schliessen. Es kann sein, dass
jemand, der das Kompostieren mit "Aufhäufen organischer Abfälle"
verwechselt, sich gewisse Probleme wegen mangelnder Hygienisierung
einhandelt, d.h. Krankheitskeime werden nicht oder unzureichend
eliminiert. Mag sein, dass an Kartoffeln solche Keime haften, die bei
unsachgemässer Kompostierung überleben und später, beim Anwenden des
"Komposts" verbreitet werden. Das gilt selbstverständlich dann auch
für zahlreiche andere Krankheitskeime, nicht nur für solche an
Kartoffeln.

Die Furcht ist unbegründet, wenn das Kompostieren ernst genommen und
nach den Regeln "zerkleinern - mischen - feucht halten und immer
zudecken" verfahren wird. Der kompostierende Mensch will, weil er sich
den nötigen Sachverstand angeeignet hat, aus den Rohstoffen
(fälschlich Abfälle genannt - aber, die Natur kennt keine Abfälle) ein
qualitativ hochwertiges Produkt - Humuskompost - herstellen.
Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass bei solchem Vorgehen das
Endprodukt stets gesünder ist als die Ausgangsmaterialien. Die
gezielte, ordentliche Verrottung ist ein Lebensprozess und folgt
dementsprechend den Gesetzen des Lebendigen. Daher ist es meiner
Ansicht nach wichtig, bei der Kompostierung nicht in Kategorien der
Abfallverwertung und -bewirtschaftung zu denken, sondern viel eher in
solchen der Erhaltung des Lebens, was ohne Sorgfalt und Zuwendung kaum
möglich ist.

Kurz: werfen Sie Ihre zu kompostierenden Bestandteile nicht einfach
auf den Kompost, sondern kreieren Sie damit, einschliesslich der
Kartoffelschalen einen Lebensraum, in dem sich die faszinierenden
Lebensvorgänge der Umwandlung ungestört entfalten können. Übrigens:
wenn, aus was für Gründen immer, ganze Kartoffeln kompostiert werden
sollen, müssen diese zuerst in ganz kleine Stücke (wie für
Bratkartoffeln) geschnitten (gehackt) werden. Die Kartoffel ist ja
nicht entstanden, um zu Humus zu werden, sondern entweder als Nahrung
zu dienen oder neue Pflanzen zu bilden. Das kann sie aufgrund
zahlreicher Knospen ("Augen"), die auch dann zu keimen beginnen, wenn
darum herum nur wenig Kartoffelsubstanz vorhanden ist. Im Kompost
sollen aber keine Kartoffeln (und auch nichts anderes pflanzliches)
wachsen, sondern sie sollen zu Humus umgewandelt werden.

Mit freundlichem Gruss
Hans Balmer, Berater für
Humuspflege und Kompostierung

Laub vergraben?

17.01.2005 | Sonstiges

Wir haben im Garten von einem Tulpenbaum sehr viel Laub. Da wir nicht so viel Platz zum Kompostieren haben, möchten wir jetzt beim Umgraben der Gartenbeete das zerkleinerte Laub in die Furchen geben und so vergraben, Gibt das für die Erde einen Nachteil, z.B. saure Erde, Wachstumshemmer, schlechte Durchlüftung.


Sehr geehrter Herr Gilgen
Das kann tatsächlich Probleme geben. In der Natur, die ja immer noch
unsere grosse Lehrmeisterin ist (sein sollte), spielt sich der Prozess
ja von oben nach unten statt, d.h. das auf den Erboden fallende Laub
wird von einer Vielzahl von Mikroorganismen und Kleintieren als
Nahrung verwertet, biologisch abgebaut und schliesslich humifiziert
und so in umgewandelter Form ins Erdreich, in den Wurzelraum
integriert. Wenn Sie das Laub vergraben, kommt es mit Sicherheit in
eine Zone, wo die Verhältnisse schlechter sind als in der Streuschicht
an der Erdoberfläche; dies besonders hinsichtlich das Sauerstoffs, der
für eine ordentliche Verrottung zwingend nötig ist. Es ist deshalb mit
einer unvollständigen Verrottung zu rechnen, die eine Reihe von
Zwischenprodukten (Fäulnisprodukte) hinterlässt, die im Wurzelraum
durchaus Unheil anrichten können. Eigentlich möchte ich Ihnen abraten,
das Laub zu vergraben.

Das zerkleinerte Laub würde sich übrigens hervorragend zum
Kompostieren eignen. Machen sie damit vorerst ein kleines
Zwischenlager, z.B. in Säcken. Geben Sie dann laufend, z.B.
wöchentlich, zwei-drei Doppelhände voll zu Ihrem laufenden Kompost und
durchmischen Sie die oberste Zone (ca. 35 cm tief) gut mit der Gabel.
Geben Sie ab und zu eine halbe Handvoll Hornmehl dazu und halten Sie
den Rottekörper feucht (wie ein ausgedrückter Schwamm). Sie dürfen
sich ruhig Zeit lassen, das Laub auf diese Weise in den Rotteprozess
einzuschleusen; Ihr Tulpenbaum wirft ja erst im nächsten Herbst wieder
Blätter ab. Meistens wird der Fehler gemacht, dass sämtliches Laub auf
einmal in einen Komposter gestopft wird ohne gleichzeitig für ideale
Rottedingungen zu sorgen. Mit dem Material passiert dann wenig bis
nichts und man muss einen zweiten (oder dritten) Komposter in Betrieb
setzen. Das ist bei der geschilderten, in der Praxis bestens erprobten
Portionierungs-Methode nicht nötig.

Was Sie auch tun können ist, das zerkleinerte Laub in Ihrem Garten
über den Herbst und Winter als Mulchdecke ausbringen. Wenn dann im
Frühling die Gartenarbeit wieder beginnt, werden Sie feststellen, dass
viel von dem Laub verschwunden ist; damit meine ich natürlich nicht,
vom Winde verweht, sondern durch Bodenorganismen verarbeitet. Was
jetzt noch übrig ist und vielleicht stört, rechen Sie zusammen und
geben es portionenweise zur laufenden Kompostierung. In der warmen
Jahreszeit wird das "vorverdaute" Laub noch schneller verrotten.
Probieren Sie es demnächst aus, es lohnt sich.

Nahrungsnetz

17.01.2005 | Lebewesen beim Kompost

Welche Zusammenhänge zwischen den Lebewesen des Komposthaufens und des Nahrungsnetztes gibt es?


Sehr geehrte Frau Dütsch
Beim Kompostieren ahmen wir eigentlich das nach,
was in der freien Natur schon immer geschieht: die
Umwandlung der hoch organisierten, komplexen
organischen Substanz (Kohlenhydrate, Proteine,
Fette/Öle, Nukelinsäuren und viele andere
Bestandteile lebender Zellen) in etwas Einfacheres
(Kohlendioxid, Wasser, Humussubstanzen, flüchtige
Stickstoffverbindungen, Mineralien). Kohlendioxid,
Wasser und bis zu einem gewissen Grad Stickstoff,
nehmen wieder am globalen Stoffkreislauf teil,
während "Humus" und Mineralien weitgehend am Ort
der Umwandlung verbleiben, ins Erdreich, besser
gesagt: in den Wurzelraum eingegliedert werden und
so den Fortbestand des Lebendigen gewährleisten.
Was in der freien Natur abstirbt oder seinen
Lebenszweck erfüllt hat, liegt zunächst auf der
Erdoberfläche und bildet dort sie sogenannte
Streuschicht. Sie ist Nahrungsgrundlage
zahlreicher Mikroorganismen (Bakterien,
Mikropilze, Aktinomyceten) und Kleintiere
(Regenwürmer, Milben, Schnecken, Asseln,
Tausendfüssler, Nematoden, Fliegen- und
Mückenlarven). Sie alle leben von dem, was wir
Menschen als "Abfall" bezeichnen. Die Kleintiere
nehmen nicht unmittelbar an der Humusbildung teil;
ihnen fällt vor allem die Aufgabe des Zerkleinerns
und Durchmischens zu. Alle Kleintiere produzieren
natürlich Kot, der unter Einwirkung von
Mikroorganismen ebenfalls in die Humusbildung
eingeht.

Die Bakterien ihrerseits sind Nahrungsgrundlage
von z.B. Protozoen (tierische Einzeller wie
Amöben, Pantoffeltierchen, Glockentierchen etc.),
Nematoden (Fadenwürmer) und Rädertierchen.
Mikropilze werden von Collembolen
(Springschwänzen), Milben und Kleinstkäfern
verzehrt. Die Kleintiere unter den Streubewohnern
sind ihrerseits Futter für Ameisen, Kurzflügler
(Staphyliniden), Raubmilben, Hundertfüssler,
Pseudoskorpione, Laufkäfer, um nur einige wenige
zu nennen. Selbstverständlich wird das
Nahrungsnetz von hier aus weiter geknüpft, so dass
schliesslich alles mit allem verwoben ist. Die
Aktivität der Organismen in der Streuschicht ist
tages- und jahreszeitlichen Rhythmen unterworfen;
bei Frost und bei Trockenheit kommt sie praktisch
zu einem Stillstand.

Der Komposthaufen ist im Grunde nichts anderes als
eine gigantische Streuschicht, die der Mensch zum
Zweck der raschen Humifizierung organischer
Reststoffe mehr oder weniger kunstvoll
aufgeschichtet hat. Es sind im Grossen und Ganzen
die gleichen Organismen, die sich darin tummeln,
allerdings in einer zeitlichen Abfolge, während in
der natürlichen Streuschicht alles mehr oder
weniger nebeneinander, gleichzeitig abläuft. Falls
wir an einer zügigen, einwandfreien Rotte
interessiert sind haben wir alles gut zerkleinert,
gemischt und angefeuchtet, so dass die
Mikroorganismen ein ideales Entwicklungsmilieu
vorfinden und sich sofort an die Arbeit machen
können (Abbau). In der Abkühlungsphase (falls der
Kompost heiss geworden ist), vor allem aber in der
Aufbauphase stellen sich nun auch die Kleintiere
ein. Die Stelle des Regenwurms nimmt der
Kompostwurm ein; er findet hier hervorragende
Entwicklungsbedingungen vor und kann sich
dementsprechend stark vermehren.

In der Streuschicht der freien Natur haben
praktisch alle Lebewesen freien Zugang; das
Nahrungsnetz ist engmaschig. Nicht so bei einem
Komposthaufen, wo das Nahrungsnetz oberhalb der
Kleintiere sehr weitmaschig oder gar lückenhaft
wird. Das wird sich aber ändern, sobald wir den
Kompost ausbringen, ihn sozusagen als Bestandteil
der Streuschicht ins System eingliedern.
Voraussetzung ist allerdings, dass wir den Kompost
dann anwenden, wenn er hinsichtlich
Mikroorganismen und Kleintieren noch voller Leben
ist. Damit zeigt sich einmal mehr, dass ein gut
gemachter Kompost weit mehr als nur ein
organischer Dünger ist.

Bakterien - Hitze

17.01.2005 | Lebewesen beim Kompost

Warum erhitzt der Kompost. Was für Bakterien sind es, die den Kompost
zersetzen?


Sehr geehrter Herr Huonder
Sie wissen, dass man organische Reststoffe
(Garten- und Küchen"abfälle") verbrennen kann,
falls sie genügend getrocknet sind. Was da brennt,
ist der Kohlenstoff (chemisches Element C), der in
allen Lebewesen in Form sogenannterorganischer
Kohlenstoffverbindungen in grossen
Mengen vorkommt.

Es sind die grünen Pflanzen, die mit dem "Photosynthese" genannten
Lebensprozess dafür sorgen, dass der Kohlenstoff aus der Atmosphäre
(Kohlendioxid = CO2) sozusagen in "biologischen" Kohlenstoff
umgewandelt wird; deshalb heisst dieser Prozess auch
Kohlenstoffassimilation. Dazu braucht es Energie, die im Fall der
Photosynthese vom Licht stammt (Sonnenenergie). Während CO2 eine sehr
energiearme Kohlenstoffverbindung ist, sind die "biologischen"
Kohlestoffverbindungen energiereich. Mit der Photosynthese stellen die
grünen Pflanzen Nahrung (Biomasse) bereit für ihren eigenen Energie-
und Baustoffwechsel, sowie für denjenigen sämtlicher anderen Lebewesen
auf der Erde, einschliesslich der grössten Zahl von Mikroorganismen.

Die von grünen Pflanzen bereitgestellten energiereichen
Kohlenstoffverbindungen (Kohlenhydrate, Fette, Eiweisse etc.) werden
bei der Verdauung in Dutzenden kleiner Schritte über zahlreiche
lebensnotwendige Zwischenprodukte abgebaut, oder wie man auch sagt:
veratmet. Bei diesem, auch Dissimilation genannten Lebensprozess wird
ein Teil der ursprünglich von den Pflanzen absorbierten Lichtenergie wieder
frei, aber in sozusagen unedlerer Form, als Wärme. Ebenso wird
Kohlendioxid frei und gelangt zurück in die Atmosphäre, womit der
globale Kohlenstoffkreislauf geschlossen ist. Der Prozess verbraucht
Sauerstoff, der ja von den grünen Pflanzen bei der Photosynthese
produziert wird.

Wenn Sie nun, wie beim sachgerechten Kompostieren, eine relativ grosse
Menge gut zerkleinerter und ideal feuchter Biomasse bereitstellen,
machen sich die allgegenwärtigen Mikroorganismen über diese Mahlzeit
her und vermehren sich dank hervorragender Lebensbedingungen
explosionsartig. Weil es Milliarden sind, die an der Veratmung der
energiereichen Kohlestoffverbindungen beteiligt sind, kann die frei
werdende Wärmeenergie nicht genügend schnell in die Umwelt abfliessen:
der Kompost wird warm bis heiss. Kurz gesagt: die Lebensprozesse der
am Kompostierungsprozess beteiligten Mikroorganismen produzieren neben
Kohlendioxid, Wasser und unterschiedlichen Humusstoffen auch viel
Wärme.

Ich hoffe, einwenig Licht in diesen äusserst faszinierenden Energie-
und Stofffluss in der Biosphäre der Erde gebracht zu haben, der seit
Milliarden von Jahren von der Sonne in Schwung gehalten wird.

am Balkon

03.01.2005 | Kompostieranleitungen

ich habe leide keinen garten, aber viel organische Küchenabfälle (grosse Familie) kann ich auf meinem grossen Balkon auch kompostieren?


Sehr geehrter Herr Schwery
Selbstverständlich können Sie auf der Terrasse oder dem Balkon kompostieren, wir tun das hier in
Basel an zahlreichen Orten. Es stellen sich aber zwei Fragen: (1) Welches ist der passende Kompostbehälter (Komposter)? ( 2) Können Sie genügend Häckselgut (Schreddergut) auftreiben, um
die Kompostierung erfolgreich zu betreiben? Der zweite Punkt ist in Ihrem Fall besonders wichtig, weil Sie erstens viele rasch verderbliche organische Reststoffe aus der Küche und keine
strukturgebenden Bestandteile aus dem Garten haben. Erkundigen Sie sich auf dem Werkhof Ihrer
Gemeinde, ob dort Häckselgut bezogen werden kann. Oft kann solches auch bei einem lokalen Gärtner bezogen werden. Sie können mit dem Kompostieren nicht beginnen, bevor diese wichtige Frage geklärt ist.
Als Komposter kommt eigentlich jeder Behälter in Frage, der einen Boden hat; dieser muss allerdings
gelocht sein, damit sich keine Sickersäfte stauen können, die unweigerlich zum Verfaulen des
untersten, vernässten Teils des Komposts führen würden. Sickersäfte sind zwar keineswegs eine
zwangsläufige Erscheinung beim Kompostieren, im Gegenteil. Aber anfänglich macht man doch noch ab und zu Fehler und Vorbeugen ist allemal besser als Heilen. Im weiteren braucht der Behälter zwingend einen Deckel als Licht- und Regenschutz. Wir benützen als sogenannten Balkonkomposter einen im Handel erhältlichen Plastikkübel von 100 l Inhalt (auch Regentonne genannt), den wir so zum Komposter umfunktionieren, dass wir in den Boden und die Wand Löcher bohren. Wenn Ihnen
100 Liter nicht genügen sollten, müssen Sie sich in einschlägigen Fachgeschäften nach einem
geeigneten Kompostierbehälter umschauen. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, können sie mit
Kompostieren beginnen, wobei gleich anzumerken ist, dass der Winter keine gute Zeit ist, um mit
einer Kompostierung von Grund auf zu beginnen: die mikrobiologischen Aktivitäten sind bei
Temperaturen unter 10 °C sehr gering und erliegen bei noch tieferen Temperaturen vollständig. Es
gibt zwar schon ein paar Tricks, um eine Rotte auch bei tiefer Aussentemperatur in Gang zu
bringen, aber es würde zu weit führen, diese Einzelheiten hier darzulegen. Warten Sie also
besser bis zum Frühling. Wenn es dann soweit ist, halten Sie sich am besten
an die Regeln "zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken" und denken Sie bitte
daran, dass der Kompost weder eine bequeme Entsorgungsstelle für organische "Abfälle" noch
ein Ort ist, wo solche einfach aufgehäuft werden können. Damit das noch etwas klarer wird, schicke
ich Ihnen mit normaler Post noch unser Merkblatt "Kompostieren"; hier finden Sie alles kurz und
bündig und reich illustriert erläutert, was zu problemlosem, erfolgreichem Kompostieren nötig ist
und getan werden muss.

Pappellaub

25.11.2004 | kompostierbar - oder nicht

Nachbarn gaben mir den Tipp, unser anfallendes Pappellaub nicht zu kompostieren, da das Laub mit schädlichen Bakterien behaftet ist. Was
ist da dran? Wird der Kompost wirklich negativ verändert?


Sehr geehrter Herr Häring
Es ist schon eigenartig, auf was für seltsame Gedankengänge die Menschen zuweilen kommen. Wir gehen mal davon aus, dass die Sippe der Pappeln erheblich älter ist als das Menschengeschlecht. Trotzdem ist rein gar nichts darüber bekannt, dass Pappeln oder ihr Herbstlaub jemals Unheil im Ökosystem der Erde angerichtet hätten. Ich kann mir auch nicht vorstellen, weshalb ausgerechnet das Falllaub von Pappeln mit "schädlichen" Bakterien behaftet sein sollte. Was heisst "schädlich"? Schädlich für wen oder was? Vielleicht wissen aber Ihre Nachbarn Näheres über diese "schädlichen" Bakterien und weil ich nicht meine, bereits alles zu wissen, wäre ich froh darüber mehr zu erfahren. Trotzdem: während 25 Jahren Kompostier-Erfahrung habe ich jede Menge Pappelaub kompostiert oder miterlebt, wie es auf einer städtischen Grossanlage kompostiert wurde; es gab nie irgendwelche Probleme. Wichtig ist, dass man das Laub nicht einfach aufhäuft oder in einen Komposter, welcher Bauart auch immer, stopft. Wenn sie nur relativ wenig Laub zu kompostieren haben (bis ca. 300 Liter) können sie das Laub portionenweise Ihrer regulären Kompostierung beifügen; sagen wir: wöchentlich drei, vier Doppelhände voll. Vermischen Sie alles gut in der obersten, der Abbauzone, geben Sie regelmässig auch Strukturmaterial (Häckselgut von Baum und Strauch) dazu und achten Sie darauf, dass die Rottemasse feucht ist wie ein ausgedrückter Schwamm. Wenn Sie wenig organische Reststoffe aus Küche und Haushalt haben, können Sie die Rottebedingungen durch Beimischen eines sogenannten Kompostbeschleunigers verbessern; gehen Sie aber sparsam mit diesem Mittel um: mehr ist nicht besser! Setzen Sie solange Laub zu, bis alles aufgebraucht ist. Das kann bis ins Frühjahr hinein dauern, spielt aber keine Rolle. Da ich das Thema "Laubkompostierung" schon mehrfach behandelt habe, schauen Sie am Besten auf www.kompost.chnach. Geben Sie auf der Frage-Antwort-Seite das Suchwort "Laub" ein und Sie werden zu zahlreichen Aspekten dieser etwas speziellen Kompostierung Antworten finden.
Für Ihre Mitteilung danke ich Ihnen im voraus herzlich und wünsche Ihnen GUT KOMPOST.

Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Walnusslaub

25.11.2004 | kompostierbar - oder nicht

Ich habe gehört das man Walnussbaumlaub nicht kompostiern soll,sondern verbrennen.Stimmt das? Ist das Laub giftig?


Das Laub des Walnussbaumes könnte durchaus "auf den Kompost" falls man es richtig in den Rotteprozess integriert. Ich habe den Küster einer Kirche, auf deren Umland "nur" Nussbäume und Platanen wachsen, angeleitet, wie er im Herbst aus diesen Komponenten, zusammen mit Häckselgut und Urgesteinsmehl einen prima Kompost fabrizieren und im Frühsommer des nächsten Jahres anwenden kann.
Der Walnuss-Baum enthält in allen Teilen, besonders aber in den Blättern (und den grünen. später braun-schwarzen, abfallenden Fruchtschalen) viele Gerbstoffe und eine spezielle Substanz "Juglon". Sowohl die Gerbstoffe, wie auch das Juglon wirken bakterizid und fungizid und werden seit altersher in der Volks- bzw. Naturheilkunde eingesetzt (Blattextrakt). Alte Bauernweisheit will wissen, dass der Nussbaum keine anderen Nachbarn neben sich duldet und unter dem Baum kaum etwas wächst als Gras. Das mag mit diesen Inhaltstoffen zu tun haben.
Da es nun in der lebendigen Natur definitiv keine Abfälle gibt, wird selbstverständlich auch das Nusslaub früher oder später verrotten; den Nussbaum gibt es ja mit Sicherheit schon länger als das Menschengeschlecht und niemals ist sein Laub zu einem Problem geworden. Der Mensch macht nur oft den Fehler, dass er (nicht nur mit dem Laub des Nussbaums) eine mehr oder weniger grosse Menge desselben Materials aufhäuft und dem dann "Kompostieren" sagt. Die Gerbstoffe und das Juglon verhindern aber in diesem aufgehäuften Laub eine eigentliche Rotte, d.h. die Mikroorganismen können sich nicht richtig entfalten. Kommt hinzu, dass die Rotteorganismen neben ausreichender Feuchtigkeit ihres Lebensraums auch stets genügend Sauerstoff zur Verfügung haben müssen. Macht man aber das Laub genügend nass, damit sich die Mikroben ansiedeln und vermehren können, dann kleben die Blätter zusammen und lassen keinen Raum für genügend Luft. Dem kann durch Vermischen mit Strukturmaterial (Häckselgut von Baum und Strauch) entgegengewirkt werden. Das Urgesteinsmehl und vielleicht sogar etwas Kalkmehl hilft, die Säuren zu neutralisieren.
Die grosse Vielfalt von Mikroben, die sich in einem feuchten Laub-Häckselgut-Gemisch entwickeln werden, sind durchaus imstande sowohl die Gerbsäuren als auch das Juglon abzubauen und umzuwandeln, so dass diese Stoffe im Endprodukt Kompost nicht mehr negativ in Erscheinung treten werden. Fazit: Das Laub des Nussbaums nehmen wir am besten mit einem Rasenmäher auf; es wird dadurch zerrissen und zerkleinert (Angriffsstellen für die Mikroben) und mischen es mit etwa der gleichen Menge Häckselgut. Die Mischung wird gut angefeuchtet (nass, aber nicht tropfnass), mit Urgesteins- und etwas Kalkmehl versetzt (auf 100 l Mischung 2-3 rechte Handvoll Urgesteins- und eine halbe Handoll Kalkmehl) und dann im Komposter locker aufgesetzt oder (bei grösseren Mengen) eine Miete angelegt. Durch regelmässiges Umsetzen (alle 3-4 Wochen) werden die Rottebedingungen optimal gehalten (Durchmischen, Durchlüften, feucht halten).
Wenn Sei nur relativ kleine Mengen Nusslaub zu kompostieren haben, geben Sie die Blätter (wenn immer möglich zerkleinert) in kleinen Portionen (3-4 rechte Handvoll/Woche) laufend Ihrem Kompost bei und vermischen alles gründlich. Sie werden feststellen, dass das Laub im Kompost verschwindet (verrottet) und bis im Frühjahr haben Sie auf diese Weise eine rechte Menge Nusslaub problemlos kompostiert. Immer vorausgesetzt, Ihr Kompost ist nicht bloss eine Ansammlung organischer Abfälle, werden Sie keine negativen Auswirkungen beim Anwenden des Kompost zu befürchten haben.

Mit freundlichem Gruss
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Baumwurzeln im Kompos

23.11.2004 | Kompostieranleitungen

Ich lebe auf einer Nordseeinsel und möchte gerne den Dünensand mit Kompost anreichern. Leider habe ich Probleme mit den Bäumen rund um unser Haus. Vorwiegend Pappeln durchwurzeln in kürzester Zeit den Komposter und die Beete. Gibt es eine Maßnahme um die Wurzeln fern zu halten. Einen früheren Komposter haben die Wurzeln nicht in Besitz genommen. Vielleicht ist es auch eher eine Frage des Ph-Wertes?


Sehr geehrte Frau Reverts
Ich kenne das Problem, dass Wurzeln von Bäumen und Sträuchern den Kompost aufsuchen aus eigener, reichhaltiger Erfahrung. Bewährt hat sich folgendes Vorgehen. Falls Sie in einem Behälter gleich welcher Art kompostieren, legen sie den Boden mit einer etwa 30 cm hohen Lage aus Ast- und Zweigmaterial aus, das Sie mit der Gartenschere gut schneiden können. Schneiden Sie arm- und handlange Stücke und legen Sie alles kreuz undquer auf den Boden, so dass sich so etwas Ähnliches wie ein Storchennest ergibt. Zuletzt packen Sie noch eine Portion Herbstlaub auf dieses Astbett (etwa 10 cm hoch) und klopfen das Ganze mit der Gabel etwas fest. Auf dieser Schicht legen Sie nun Ihren Kompost an und achten darauf, dass die Unterlage beim Mischen nicht auseinander gerissen wird. Falls Sie gerade kein Laub zur Hand haben, können Sie auch langes Gras, Heu oder Stroh verwenden; zur Not geht es sogar mit Karton: zerreissen sie Kartonschachteln (braun oder grau) und legen Sie die Stücke lückenlos auf die Zweigunterlage bis zum Rand. Der Witz der Sache besteht darin, zwischen dem eigentlichen Rottekörper und dem Boden eine Luftzone zu schaffen. Weil Wurzeln nicht durch die Luft wachsen, wird Ihr Kompost in Zukunft von diesen "Einwanderern" verschont. Falls Sie auf Kompostmieten kompostieren, ist dieses Verfahren ebenfalls geeignet.

Mit freundlichem Gruss
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

Tropenfrüchte

23.11.2004 | kompostierbar - oder nicht

Unsere Familie isst häufig Tropenfrüchte. Es gibt solche, wie z. B.
Durian, die sehr intensiv riechen. Kann man Tropenfrüchte auch
kompostieren ohne dass der Kompost im Sommer von Fruchtfliegen
überfallen wird? Vor allem der intensive Geruch von Durian zieht die
Fruchtfliegen an.


Sehr geehrte Frau Blum
Wichtig bei all diesen Überlegungen ist immer wieder die Methode des richtigen Kompostierens, die da lautet: "zerkleinern - mischen - feucht halten und immer zudecken". Gerade bei Fruchtschalen und -resten ist es besonders wichtig, dass man eine gut belüftete Rotteschicht schafft und das geht praktisch nicht ohne eine entsprechende Menge Häckselgut von Baum und Strauch. Dann müssen alle diese Reste möglichst klein geschnitten oder gehackt werden, damit die Fruchtstücklein a) eine grosse Angriffsfläche für die Mikroorganismen bieten und b) mit allem Übrigen und dem Häckselgut intensiv vermischt werden können. Fruchtschalen und -reste enthalten sehr viele, leicht und rasch abbaubare Bestandteile (Zuckerarten, Proteine, Glycerin = Festschmaus für Mikroben), so dass sie, gut zerkleinert, oft schon nach etlichen Stunden bis zur Unkenntlichkeit verändert sind. Fruchtfliegen stellen sich nur dann in Massen ein, wenn die fruchtigen Bestandteile bloss über den Kompost entsorgt werden, also auf der Rottemasse obenauf liegen bleiben. Gut vermischt und etwas in die Tiefe versorgt (15-20 cm) werden sie für die Fruchtfliegen völlig unattraktiv. Zu guter letzt hilft es auch noch, wenn nach der Beschickung des Komposts mit Fruchtrückständen das ganze mit einem guten Urgesteinsmehl überstäubt wird.
Probieren Sie's aus; sie werden bestimmt Erfolg haben.

Mit freundlichem Gruss
Hans Balmer, Berater für Humuspflege und Kompostierung

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